Schießanlage BARBARA-Dorf – Kampf im bebauten Gelände

Gefechtsausbildung mit Gefechtsmunition in der Schießanlage urbane Operationen Panzertruppen auf dem TrÜbPl MUNSTER NORD

Autoren: OTL Schramm, S3 StOffz und Hptm Watterott, S3 Offz SchÜbZ PzTrn

Im Zuge der Neufassung der Regelungsreihe „Truppenführung“ zur Harmonisierung mit den entsprechenden NATO-Dokumenten ist die ATP-99 URBAN TACTICS als Bereichsvorschrift C1-160/0-1009 „Truppenführung – Taktik in urbanen Operationen“ erlassen worden. Zudem ist die C1-160/0-1009 ausschließlich in der englischen Originalfassung als Kapitel in die nationale Truppenführung migriert. Daraus abgeleitet steht die Bereichsrichtline C2-227/0-0-1224 „Führung von Kampftruppen in urbanen Operationen“ vor der Herausgabe. Damit liegt nunmehr eine Bandbreite an Handbüchern zum „Trendthema UrbOps“ vor, welche an Umfang, Systematik und Detailtiefe deutlich über die bisher verfassten Führungsgrundsätze im Kapitel 18 der HDv 100/100 „Truppenführung von Landstreitkräften“ hinausgeht!

Bild 1

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Die beschriebenen Dokumente spannen den Bogen von der Taktik auf Kompanieebene bis hin zur taktisch-operativen Ebene der Brigade (+).

Das AusbKdo hat einen AusbH „Kampf und Einsatz im urbanen Umfeld“ erlassen, welcher eine einheitliche Ausbildungsgrundlage für die Führerausbildung bzw. die Truppenausbildung der Kampftruppen bildet.

Zur Ausbildung stehen den Einheiten der Panzergrenadiere und Infanterie hierzu, neben zahlreichen Üb-Häuser und selbstgeschaffene Ausbildungsanlagen auf den Standortübungsplätzen, vor allem die Ortskampfanlagen (OKA) BONNLAND und HUNDSFELD auf dem TrÜbPl HAMMELBURG sowie die OKA I-III auf dem TrÜbPl LEHNIN zu Verfügung. Bis auf BONNLAND bieten diese im begrenzten Rahmen die Möglichkeit zur Gefechtsausbildung mit Übungs- und Gefechtsmunition bis 20 mm.

Für die Panzertruppen wurde zudem auf dem TrÜbPl MUNSTER NORD das BARBARADORF zur „Schießanlage urbane Operationen Panzertruppen“ ausgebaut. Das BARBARADORF besteht aus acht festen Gebäuden, von denen zwei zweistöckig sind, eins davon unterkellert. Als Häuserkulissen sind mehr als 600 Container zum Ortskern ausgebaut. Die Übungsanlage eignet sich für Gefechtsausbildung mit Gefechts-, Übungs- und Manövermunition bis zu Ebene der vstk KpfTrKp. Dabei können bei Gefechtsausbildung mit Gefechtsmunition (GefAusbGefMun) alle Handwaffen bis zu 360°, die Waffenstationen FLW sowie alle Gefechtsfahrzeuge im scharfen Schuß bis zu 270° eingesetzt werden. Hauptnutzer war in den letzten Jahren das Schießübungszentrum Panzertruppen (SchÜbZ PzTr), dessen Kernauftrag die GefAusbGefMun im KoFTrA-Prinzip (Kombinierte Führer- und Truppen-Ausbildung) nach der Vorgaben bzw. Zielsetzungen der verantwortlichen Bataillons-/ Regimentskommandeuren ist. Dazu gehört neben den klassischen Zwei-Parteien-Übungen die Einsatzlandspezifische Ausbildung (ELSA).

Unabhängig vom Szenario bzw. der Lage, welche den Gefechtsübungen zugrunde liegen, sind die Koordination von Feuer und Bewegung der Teileinheiten sowie der Kampfunterstützung die wesentliche Herausforderung für die Einheits- und Teileinheitsführer.

Ist diese Aufgabe grundsätzlich schon äußerst komplex und erfordert die GefAusbGefMun einen hohen Ausbildungsstand der Truppe, so stellt der Kampf im bebauten Gelände aufgrund seiner eigenen Gesetzmäßigkeiten und Rahmenbedingungen ein Höchstmaß an Gefechtsdisziplin an jeden einzelnen Soldaten. Für den taktischen Führer – gleich welcher Ebene – besteht schnell die Gefahr, den Überblick über die Gesamtlage in seinem Verantwortungsbereich zu verlieren. Wo wählt er seinen Platz? Wo hat er den besten Überblick und wie bringt er seine Manöverelemente zweckmäßig zur Wirkung?

Durch die Struktur von Ortschaften, die Art der Bebauung und den Verlauf von Straßenzügen wird es oftmals dazu kommen, dass die Teileinheiten sich nicht gegenseitig unterstützen können. Dem Kompaniechef stellt sich dadurch die Herausforderung, einerseits den Zusammenhang der Gefechtsführung zu erhalten und andererseits zuzulassen, dass die Initiative im Wesentlichen bei den Zugführern liegt. Die Führungsspanne des Zugführers nimmt zu und er wird mit Herausforderungen konfrontiert, welche sich im klassischen Gefecht eher auf Ebene des Kompaniechefs finden und die Kompanieebene wird ebenso einen Zuwachs von Führungsaufgaben erfahren, welche normalerweise dem Bataillon zuzuordnen sind.

Durch das SchÜbZ PzTr werden im Rahmen der ELSA regelmäßig einsatzorientierte GefAusbGefMun von der Gruppen- bis zur Kompanieebene im BARBARADORF durchgeführt.

Zudem wurde erstmals im Durchgang 02/2015 durch das PzGrenBtl 371 im Rahmen der Vorbereitung als VJTF eine vstk PzGrenKp im Angriff auf die Ortschaft im scharfen Schuß beübt.

Damit diese Ausbildungshöhepunkte – als höchste Stufe des Gefechtsdienstes – so stattfinden können, müssen die Einheiten jedoch ihre „Hausaufgaben“ im Rahmen der Truppenausbildung machen: die Einzel- und Truppausbildung im Orts- und Häuserkampf am Standort sowie der Kampf im bebauten Gelände auf Gruppen- und Zugebene, beispielsweise in LEHNIN. Ohne diese Abholpunkte auf der untersten taktischen Ebene wird die zielführende Ausbildung auf Einheitsebenen, die bereits angesprochene Koordination von Feuer und Bewegung nicht gelingen! Zwar werden in Vorbereitung auf die komplexen Schießvorhaben die Abholpunkte auf Zugebene harmonisiert. Primäre Zielgruppe der Ausbildung im SchÜbZ PzTr sind die Kompaniechefs und die Zugführer. Während die Teileinheiten durch die ZgAngA (Angeleitete Ausbildung)auf die GefÜbGefMun vorbereitet werden, erhalten die KpFüGrp eine eigene KpFüAngA, in der sie, unter Einbindung der KpfUstg, ihren OpPlan erarbeiten und Probebefehlsausgaben durchführen.

Gefechtsübung mit Gefechtsmunition – Der vstk PzGrenZg im bebauten Gelände

Im nun folgenden Abschnitt soll am Beispiel der dynamischen Vorführung „Gefechtsübung mit Gefechtsmunition – Der vstk PzGrenZg im bebauten Gelände“ des KdrLg 2017 veranschaulicht werden, welche Möglichkeiten sich im BARBARADORF zur GefAusbGefMun bieten. Die Übung ist so angelegt, dass die Einsatzgrundsätze zum auf- und abgesessenen Kampf der Panzergrenadiere mit Unterstützung der Panzertruppe, durch die Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung (STF), der Pioniere sowie Heeresflieger- und Sanitätskräften auf der Ebene des vstk PzGrenZg im Rahmen des Angriffs einer Kompanie der Panzertruppen zum Tragen kommen.

Die Übung gliedert grob sich in folgende Abschnitte:

  • die Aufklärung in Richtung des Angriffsziel,
  • den Angriff und das Nehmen des Angriffsziels und
  • die Reorganisation.

Der Zug ist wie folgt gegliedert:

4x SPz,

2x KPz,

1x PiGrp auf TPz,

1x JFST BoBo auf FENNEK sowie

1x SanTrp mit TPz/GTK.

Die Lage, welche der GefÜbGefMun zugrunde liegt

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Das PzGrenBtl ROT vtdg zeitlich begrenzt sperrstark auf der Linie BARBARADORF – Ausläufer SB 2/3, hier SP, um eigenen Kräften das schnelle Nehmen des Raumes westlich REHRHOFER WEG zu verwehren, als Voraussetzung für die Vorbereitung der Vtg im Raum HOLTHUSEN I – WRIEDEL.

Durch luft- und bodengebundene Aufklärungsmittel wurde aufgeklärt, dass der Feind bereits Sperren im Bereich der Ausläufer Enge SB 2/3 verlegt hat. Feindliche Pionierkräfte werden in spätestens 30 min im Bereich BARBARADORF weitere Sperren anlegen um eigenen Kräften den schnellen Stoß nach Osten zu verwehren. Ein Großteil der ansässigen Zivilbevölkerung wurde bereits evakuiert. Mit vereinzelten Zivilpersonen ist jedoch zu jeder Zeit weiterhin zu rechnen.

Aufklärung mit den Kräften des Btl/Kp

Zur Lageaufklärung im Raum BARBARDORF ist ein Scharfschützentrupp der vorn eingesetzten Kompanie in Stellung gegangen. Dieser verfügt über einen Scharfschützen G22 und einen Spotter. Parallel dazu ist nach Anforderung durch den KpChef für die luftgebundene Aufklärung ein Unbemanntes Aufklärungssystem kurzer Reichweite (ALADIN) des Btl im Einsatz.

Artilleriefeuer zum Bekämpfen Fd südostwärts BARABARADORF

(Bild 3 )

Über ALADIN wurde Feind in Stärke 2 SPz in Stg am Süd-Westrand von BARABARADORF aufgeklärt. Durch den Kompaniechef wird der Entschluß gefasst, diesen Feind mit Mitteln STF zu zerschlagen. Durch das Joint Fire Support Team (JFST) wird Steilfeuer abgerufen.

Das Steilfeuer kann mit STF unter Beachtung der Gefahrenbereiche scharf geschossen oder alternativ durch ein Sprengfeld mit max. 50 Kg Sprengmasse dargestellt werden.

Überwachungsstellung, Annäherung

Der vstk PzGrenZg BRAVO gewinnt zunächst eine Stellung an der HAHNENBUSCHRIPPE so, dass der weitere Angriff des vstk PzGrenZg ALFA überwacht werden kann und mit MIKADO die letzten Aufklärungsergebnisse vor dem Einbruch zu gewinnen.

Für die weitere Annäherung sowie den Sturm und Einbruch unter den Feuerkampf mit KPz vorn und SPz folgend in dieser Phase können zur Feindlagedarstellung Ziele für BK, BMK und T-MG, aber auch für den Kampf über die Bordwand präsentiert werden.

Sturm und Einbruch, Nehmen des Gebäudes/Kampf durch die Tiefe

(Bild 4 und 5)

Der vstk PzGrenZg ALFA bricht aufgesessen in Richtung Angriffsziel ein. Nach dem Wechsel der Kampfweise und dem Nehmen des ersten Raumes führen die Panzergrenadiere den Kampf von Raum zu Raum durch. Die Pioniere folgen in dieser Phase, um eventuell noch einmal Türen mittels Zugangssprengungen zu öffnen. Während die Abgesessenen das Angriffsziel nehmen, bekämpfen die KPz und SPz auftretenden gepanzerten Feind in den Flanken mit Bordekanone und MILAN.

Reorganisation

(Bild 6)

Nach dem Nehmen des Objektes geht der Zug in die Reorganisation über. Alle Kräfte befinden sich nun in einer 360°-Sicherung. Beim abgesessenen Kampf durch die Gebäude sind Soldaten verwundet worden. Während die Verwundetenversorgung durch die Ersthelfer erfolgt wird durch den ZgFhr der Abtransport über die Kompanie eingeleitet. In dieser Phase fällt ein KPz durch einen Kettentreffer einer fdl PzFst aus und ist nicht mehr fahrfähig. Der fdl Panzervernichtungstrupp wird durch einen eigenen Panzerfaustschützen bekämpft. Um den nicht mehr fahrfähigen KPz zu bergen, wird über den Kompaniekreis ein Bergetrupp angefordert. Der KPz wird nach der Vorbereitung der Gefechtsbergung vom BPz angeschäkelt und dann bei gleichzeitigem Feuerkampf geborgen. Gleichzeitig werden die Verwundeten nach der Erstversorgung durch den SanTrp abtransportiert.

Das dargestellte Beispiel des vstk PzGrenZg kann ebenso als GefAusbGefMun auf Kompanieebene durchgeführt werden. Der SchÜbZ-Durchgang dazu kann wie in dem Ablaufmodell geplant werden.

(Bild 7)

Um als vstk PzTrKp oder vstk PzGrenZg in dieser GefAusbGefMun bestehen zu können, müssen taktische Grundsätze der AusbH „Kampf und Einsatz im urbanen Umfeld“ auf Ebene Einzelschütze/ Gruppe und Zug als Vorbereitung auf den SchÜbZ-Durchgang abgeschlossen sein.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass mit der Herausgabe der neuen Vorschriften ein längst überfälliger Anstoß gegeben wurde. Mit diesen Handbüchern ist der Beginn zur Harmonisierung von Grundsätzen der unterschiedlichen Truppengattungen gemacht. Für die Kampfweise der Infanterie, Panzergrenadiere und Panzer im bebauten Gelände ändert sich insgesamt jedoch nur wenig! Es ist jedoch davon auszugehen, dass erst mit der vollwertigen Verfügbarkeit neuer Systeme wie SPz PUMA mit FüInfoSysH, Idz ES und TSWA tatsächlich wesentliche Änderungen und Vorteile im bebauten Gelände bringen werden.