“Schlüsselübergabe” – Der Schützenpanzer Puma ist nun im Dienst

Der 24. Juni 2015 gehört ohne Zweifel zu den bemerkenswerten Tagen der Rheinmetall-Firmengeschichte. Unter dem Motto „Sicherheit – Schlagkraft – Zukunft“ übergaben an jenem Mittwoch Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) im Erprobungszentrum Unterlüß den Schützenpanzer Puma offiziell an die Bundeswehr. Damit erhielt – nach einem länger als geplanten, aber letztlich erfolgreich beschrittenen Weg – die deutsche Panzergrenadiertruppe den derzeit leistungsfähigsten und modernsten Schützenpanzer der Welt.

„Mit der heutigen feierlichen Übergabe des Puma an unseren Kunden und Auftraggeber bringen wir eines der ehrgeizigsten und umfassendsten Entwicklungsprogramme, die es im Bereich der deutschen Heeresrüstung je gegeben hat, zu einem überaus erfolgreichen Abschluss“, so Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Armin Papperger in seiner Ansprache bei der Übergabezeremonie. „Die Bundeswehr erhält heute ein Gefechtsfahrzeug, das weltweit Maßstäbe setzt in punkto Kampfkraft, taktischer Mobilität und Führungsfähigkeit. Ein Fahrzeug, das für heutige und künftige Einsatzszenarien konzipiert wurde und insbesondere auch auf asymmetrische Bedrohungen ausgerichtet wurde. Ein Kettenfahrzeug, das mit seinem erweiterten Leistungsspektrum eine völlig neue Fahrzeugkategorie begründet, und das dabei weltweit einsetzbar ist – von Polarregionen bis in Heißklimazonen. Und, vielleicht der wichtigste Punkt: Der Puma ist ein Fahrzeug, das seiner Besatzung ein in dieser Klasse bislang unerreichtes Schutzniveau gegen alle Arten von Bedrohungen bietet.“

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Auch auf die Kritikpunkte, die Entwicklung habe länger gedauert und das Vorhaben sei letztlich deutlich teurer gewesen, ging Papperger ein. „Zeitliche Verzögerungen sind vor allem der Komplexität des Projektes geschuldet, ehrgeizige Leistungsumfänge haben uns an die Grenzen des technisch Machbaren getrieben. Teilweise gegenläufige Anforderungen – ich erwähne nur höchsten Schutz und größte Waffenwirkung bei geringstmöglichem Gewicht – waren nur mit großem konstruktivem und zeitlichem Aufwand zu erfüllen. Veränderte Anforderungsprofile, die im laufenden Projekt zu berücksichtigen waren, haben sich auf der Zeitachse ausgewirkt ebenso wie nachträgliche Systemerweiterungen.“

Für den wesentlichen Puma-Nutzer, das deutsche Heer, sprach Generalleutnant Rainer Korff. Er forderte alle Beteiligten auf, das Projekt konsequent weiter zu führen: „Heute ist der Tag der Einführung des Puma in die Bundeswehr. Wir alle – Hersteller, Beschaffer und auch wir, das Heer, als Nutzer – sind gefordert, uns auch zukünftig gemeinsam anzustrengen, um dem Puma das ‚Laufen, Rennen und Springen‘ unter ‚Feuer und Bewegung‘ beizubringen, das wir ihm im Einsatz abfordern müssen. Die ersten Schritte sind gemacht. Unsere Ausbilder machen sich in Munster mit dem Puma vertraut, und wir sind mit unserer Basisausbildung auf einem guten Weg.“

Von den derzeit bestellten, insgesamt 350 Schützenpanzern kamen bisher bereits 25 Stück in die Truppe. Insgesamt wird sich die Auslieferung nach derzeitiger Planung bis 2020 erstrecken. Das Gesamtvolumen des Auftrags, der 2004 an die Projektgesellschaft PSM erteilt wurde, umfasst heute inklusive der separat beauftragten Zusatzausstattungen rund 4,3 Milliarden €. PSM ist eine Joint-Venture-Gesellschaft, die von Rheinmetall und KMW mit je 50 Prozent der Anteile getragen wird.

Die Nutzung des Schützenpanzers Puma in der Bundeswehr beginnt planmäßig mit der Ausbildung der Ausbilder (AdA). Diese AdA wird am Ausbildungszentrum Munster noch bis Ende des laufenden Jahres durchgeführt. Dort wurde eigens für den Puma eine Einführungsorganisation aufgestellt, die die Erstausbildung der Panzergrenadierkompanien am neuen Schützenpanzer für jeweils drei Monate am Ausbildungszentrum Munster durchführt. Die Einführungsorganisation übernimmt auch die Fahrzeuge vom Hersteller, komplettiert sie mit bundeswehreigenen Ausrüstungsgegenständen und übergibt sie an die dort ausgebildeten Soldaten. So können die Panzergrenadiere „ihre“ Pumas im Anschluss der dreimonatigen Ausbildung an den jeweiligen Standort mitnehmen.

Die notwendigen Verträge zur Instandsetzung und zur technisch-logistischen Betreuung sind zwischen der Bundeswehr und der beauftragten Projektgesellschaft PSM GmbH geschlossen worden. Die dauerhafte Unterstützung des neuen Schützenpanzers durch die für den Puma verantwortliche Industrie in Deutschland ist somit sichergestellt.

Die Bedeutung der offiziellen „Schlüsselübergabe“ spiegelte sich auch in dem Besucher- und Medienandrang wider. Rund 150 Gäste aus Politik, Streitkräften, Wirtschaft und Industrie folgten der Einladung in die Lüneburger Heide. Weiterhin reisten fast 40 Vertreter von Print-, Online-, Rundfunk- und Fernsehmedien zur Berichterstattung an. Rheinmetall-Pressesprecher Oliver Hoffmann: „Die außergewöhnlich hohe Zahl der Journalisten unter unseren Gästen hat uns sehr erfreut. Es ist uns darüber hinaus gelungen, unsere Kernbotschaften zum Puma zu übermitteln. Diese fanden sich auch in einer überaus ausgewogenen Berichterstattung in den Medien wieder.“

Welche Bedeutung die Veranstaltung für die Firma hatte, kam darüber hinaus in den umfangreichen Vorbereitungen zum Ausdruck. Der Event musste geplant, Großgerät und Munition bereitgestellt, eine Choreographie für die Vorführung erarbeitet und dann mit allen Beteiligten geprobt, Gästelisten erstellt, Pressemitteilungen verfasst und verschickt, Gäste und Medien betreut werden. Das band nicht nur im Standort Unterlüß etliche Kräfte. Selbst die Generalprobe zwei Tage vor dem eigentlichen Event stieß schon auf Medieninteresse. Ein Journalist der „Süddeutschen Zeitung“ durfte ihr beiwohnen, um rechtzeitig zum „Rollout“ einen umfangreichen und prominent platzierten Hintergrundbericht über den Puma verfassen zu können.

Die umfangreichen Vorbereitungen gestatteten es weiterhin, das Notwendige mit dem Angenehmen zu verbinden. So war es eine besonders schöne Geste der Projektleitung, das „Team Puma“ nahezu geschlossen zur Generalprobe einzuladen – also all die Mitarbeiter, die an der Fertigung des neuen Bundeswehr-Schützenpanzers beteiligt sind. Hans Anton Mall, der den Puma von Anfang an betreut hat: „Die Menschen identifizieren sich mit dem Produkt, das sie bauen. Sie sind sich bewusst, dass der derzeit modernste Schützenpanzer weltweit ‚ihr Baby‘ ist. Daher war es ein logischer Schritt, ihnen im Rahmen der Generalprobe das Fahrzeug und dessen Leistungsfähigkeit einmal live vorzuführen.“ Und so simulierte das „Team Puma“ am Montag vor der Schlüsselübergabe das Publikum, verfolgte die in Kooperation mit dem Panzergrenadierlehrbataillon 92 aus Munster realisierte Vorführung aufmerksam und gab Hinweise und Verbesserungsvorschläge für den späteren „scharfen“ Durchgang zwei Tage später.

Welche Bedeutung hoch motivierten und kompetenten Mitarbeitern im Bereich der Rüstungsindustrie zufällt, stellte auch Konzernchef Armin Papperger nochmals in seiner Rede anlässlich der Schlüsselübergabe heraus. „Zu welchen Ergebnissen die derzeitige Debatte über die veränderte Sicherheitslage in Europa auch führen mag, eines macht sie auf jeden Fall deutlich: Auch heute noch ist es für moderne Staaten und gerade auch für eine führende Industrienation wie Deutschland unverzichtbar, den Ausrüstungsstand ihrer Streitkräfte auf der Höhe der Zeit zu halten. Damit dies möglich ist, bedarf es einer leistungsfähigen rüstungstechnologischen Basis, gerade auch in Deutschland.“

Autor: Rheinmetall AG/Dr. Jan-Philipp Weisswange