Meine Meinung

Wir möchten Ihnen hier Gelegenheit geben Leserbriefe einzustellen und aktuelle Themen zu diskutieren.

Die Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Wir behalten uns vor Beiträge zu kürzen bzw. nicht zu veröffentlichen.

Sind kritische Anmerkungen nicht mehr opportun?

Keine konträre Meinung – keine Kritik!

Anmerkungen zu unserem Vereins-Magazin „Der Panzergrenadier“

 „Der Panzergrenadier“ ist eine Vereinszeitung.

„Vereinszeitung“? – das klingt nach Oberliegafußballvereinsblättchen mit Grußworten vom Landrat und dem Tabellenstand von Altherrenmannschaft und B-Jugend.

Nein in diese Reihe gehört „Der Panzergrenadier“ wirklich nicht! Es ist eher ein Fachmagazin – auch wenn das zweimalige Erscheinen im Jahr für ein Fachmagazin doch recht selten ist und man auch eine dritte und gar vierte Ausgabe gerne zu lesen bekäme. Nur die müssen ja geschrieben werden – und Profis, die auf ihr Salär verzichten, werden wir kaum finden!

Aber immerhin: Das vergangene Symposium wird noch einmal zusammengefasst, aus allen Bataillonen gibt es Informationen über Einsätze und Übungen, der PUMA ist ein Dauerthema und die Geschichte kommt auch nicht zu kurz – Burgen (ein Lieblingsthema von mir – seit ich mit 14 eine Jahresarbeit darüber schrieb!) Selbst zum Schmunzeln findet sich etwas – der „olle Fritz“ bietet da ja einen reichen Fundus!

Also alles gut?

Ich meine nein! Es gibt keine anderen Ansichten, keine abweichenden Meinungen, keine Kritik, keine Diskussion!

Übrigens – Selbstkritik ist auch Kritik!

Und so liest man immer nur eine einzige Lobhudelei, selbst dort wo kritische Fragen angebracht sind!

Pannen, Fehler – gibt es nicht! Wir machen alles immer nur richtig! Wirklich? Oder mag keiner darüber sprechen, was alles schief gelaufen ist, was hätte besser laufen können, wenn man anderes Material gehabt hätte? Welchen Vorteil es hat keine Leos in Afghanistan zu haben? Oder ob wir Drohnen brauchen?

Auf unserem Symposium berichtet ein Kanadischer Offizier, wie hervorragend sich der LEO 2 in Afghanistan bewährt und wie erfolgreich – man traut seinen Sinnen nicht, denn die Bundeswehr wiederholt mantraartig die Meinung unserer Regierung, der LEOPARD 2 sei für den Einsatz in Afghanistan „… völlig ungeeignet.“!

Da wurde sang- und klanglos die Wehrpflicht aufgegeben und eine Berufsarmee geschaffen – zu Deutsch: eine Söldnerarmee. Von alternativen Konzepten habe ich nichts gehört! Wenn nicht hier – wo denn sonst? Ist nicht gerade hier das Know-how dazu vorhanden?

Da wird eine bald 25 Jahre alte Hubschrauberkonstruktion eingeführt – und man ist begeistert, über die tolle Technik, die es bei der BELL vor 60 Jahre noch nicht gab!

Und der neue Panzerabwehrhubschrauber (überall schrumpfen die gepanzerten Kräfte!) kann nicht einmal Infanterie bekämpfen, weil ihm eine Maschinenkanone fehlt. Vielleicht bei den Franzosen ein paar ausleihen und dann selber welche bestellen oder die Bestellung ändern? Alles kein Thema bei uns im „PANZERGRENADIER“!

Da werden die LUCHSE geschreddert (wollte die wirklich keiner mehr haben?) weil es angeblich keine Achsen für den Panzer mehr gibt (wer glaubt denn solchen Schwachsinn?) und dann gibt es plötzlich genau da Probleme, wo man sie hervorragend gebrauchen kann!

Ja und da sagt hier keiner etwas dazu? Das darf doch kaum wahr sein?! Und dann meldet sich jemand zu Wort in einer Aufklärer-Runde und behauptet unwidersprochen, das G36 durchschlägt die Panzerung des Luchs – und der Kommandeur schweigt?

Und ob die Auflösung der HeeresFlaTruppe oder das Abgeben der CH-53 Hubschrauber an die Luftwaffe so sinnvoll war („was fliegt, gehört mir …“ – hatten wir doch schon mal – oder?) könnte man ja auch mal diskutieren – oder?

Ich will das hier nicht fortsetzen – aber sind denn alle Mitglieder in unserem Verein so gleichgeschaltet, dass sie rein gar nichts zu kritisieren haben? Keine alternative Meinung zu Sachen haben, wo man geneigt ist zu sagen „Herr, lass Hirn regnen!“

Oder ist der Ansatz falsch? Muss es vielleicht heißen „Herr gib ihnen Mut und ein Rückgrat!“

Haben schon alle aufgegeben, resigniert, sich in die innere Immigration begeben? Bedeutet es für einen jungen Leutnant oder auch einen Major i. G. heute einen Karriereknick, wenn er offen Kritik äußert, Alternativen zur Diskussion stellt und auch einmal generelle Fragen der Verteidigung, der Rüstungs- und Personalpolitik hinterfragt?

Das Ergebnis einer demokratischen Prägung kann ich hier nicht mehr erkennen!

Wenn aber das der Fall ist, dann hat die innere Führung versagt!

Mich beschleicht schon seit Jahren das Gefühl, das für die aalglatten, perfekt angepassten Bachelor-Führungskräfte in unserem Lande und nun auch zunehmend in der Bundeswehr, mehr und mehr das Speichellecken zur Kernqualifikation wird.

Und manche krude neue Idee nur entwickelt wird, weil die Laienspieler in der Politik dankbar sind, einen Soldaten gefunden zu haben, der ihren wirren Vorstellungen das fachliche Gütesiegel gibt!

Mein Vorschlag:

  • Leserbrief-Ecke einrichten,
  • Einsendern absolute Vertraulichkeit zusichern,
  • auf Wunsch keine Namen nennen, ggf. nur Dienstgrad und Waffen-/Truppengattung.

Lutz Webendörfer, Olt d. Res.

Consultant for Security and Disastercontrol

 

 

Die Idee einer Leserbriefecke ist begrüßenswert, denn „Krittikk“ ist immer gut...

Die Idee einer Leserbriefecke ist begrüßenswert, denn „Krittikk“ ist immer gut, wie Dr. Wrschowitz in Fontanes Stechlin sagt. Anlaß, nicht Grund für diesen Brief ist der Artikel von Herrn Haun, der seinen Finger in eine schwärende Wunde legt, indem er darauf hinweist, daß die Kosten für die Rücksicht auf zivile Normen beim Puma, die im Einsatz „…kaum nachvollziehbar“ sind, „nicht einmal annähernd beziffert..“ werden können. Dieser niederschmetternden Erkenntnis ist nichts hinzuzufügen, denn sie ist schon an sich schlimm genug. Wenn nun aber gerade im äußerst sensiblen Rüstungsbereich McKinsey quasi die Verantwortung übernehmen soll, so müssten bei allen Soldaten die Alarmglocken in höchster Lautstärke schrillen. Eine Firma, die von den Problemen und Gefahren, denen der Soldat heute ausgesetzt ist, nichts weiß, nichts von Gefahr, Verwundung, Tod und PTSB, nichts vom Gefecht, vom Anblick verstümmelter und zerfetzter Kameraden und Zivilisten. Eine Firma, die gerne von Unternehmen geholt wird, wenn unangenehme Entscheidungen wie Entlassungen oder Werkschließungen anstehen, die man dann von einem entsprechenden Gutachten für notwendig erklären läßt, um anschließend das ohnehin längst Beschlossene nach dem Motto zu tun: es steht leider im Gutachten.

Die Entscheidungen über die Ausrüstung nicht zuletzt des Heeres und damit indirekt über Leben und Tod sollen dann also offenbar von McKinsey-Mitarbeitern getroffen werden. Von umtriebigen jungen Herren, die mehr oder weniger durchgestylt wirken, oder von jungen Damen, die leicht in der Vogue auftreten könnten und gerne eine Oktave höher vortragen und jederzeit in der Lage sind, per Hochglanzpapier und mit wunderbaren Powerpoint-Projektionen alles und auch das Gegenteil davon im wirtschaftlichen Bereich nachzuweisen, oder aber auf 20 Seiten zu belegen, daß jeden Morgen die Sonne aufgeht, gleichzeitig aber jede Verantwortung dafür ablehnen, falls sie mal nicht aufgehen sollte.  Daß außerdem äußerst sensitive Bereiche, die hoher und höchster Geheimhaltungsstufen unterliegen, nunmehr dem Zugriff von McKinsey weltweit ausgesetzt sind, kann einem nur die Haare zu Berge stehen lassen. Am besten läßt man vor jedem Gefecht zunächst ein Gutachten von McKinsey über den Einsatz der verschiedenen Waffensysteme erstellen, dann kann nichts schiefgehen, auch wenn die Soldaten dann längst verwundet oder gefallen sind. Das stand aber dann nicht im Gutachten! Oder? Offenbar werden den Angehörigen der Bundeswehr und des Heeres nur geringe bis keine kognitive Fähigkeiten zugetraut, oder gibt es einen anderen Grund für die Übernahme des Rüstungssektors durch McKinsey?

Dr. Romedio Graf v. Thun-Hohenstein

 

Korpsgeist - wohin damit?

Was ist ein Korpsgeist? Korpsgeist steht für das Zusammengehörigkeitsgefühl einer zu definierenden Entität, einer Gemeinschaft. Je größer die Gemeinschaft, umso geringer dürfte der Korpsgeist derselben insgesamt ausgeprägt sein. Je kleiner die Gemeinschaft ist, desto stärker muss er entwickelt sein, wenn diese Gemeinschaft erfolgreich agieren will. Korpsgeist existiert sowohl im zivilen wie auch im militärischen Leben. Im Weiteren möchte ich mich auf den militärischen Bereich beschränken.

Ein Korpsgeist ist nicht einfach so da! Conditio sine qua non für den Korpsgeist ist die funktionierende Kameradschaft. Ergänzend entwickelt er sich aus dem Zweck und den Zielen einer Gemeinschaft. Den generellen Korpsgeist gibt es also praktisch nicht, er ist je nach Gemeinschaft unterschiedlich konditioniert. Mit dem Zweck und den Zielen einer Gemeinschaft hat sich das hinzukommende Individuum zu identifizieren, ja sich sogar unterzuordnen. Es hat seine persönlich egoistischen Verhaltensweisen zum Wohle dieser Gemeinschaft hintanzustellen, quasi an der Garderobe der Gemeinschaft abzugeben. Man steht füreinander ein, man geht gemeinsam durch Dick und Dünn, man zieht am selben Strang, man hat volles Vertrauen in die Mitglieder, die Kameraden und Kameradinnen seiner Gemeinschaft. Dieses muss man leben, hier muss man investieren, nicht zuletzt unser kostbarstes Gut, die Zeit. Dann entwickelt sich Kameradschaft und ein Korpsgeist. Je stärker sich die Gemeinschaft am scharfen Ende unseres Berufes, am Kampf auf Leben und Tod orientieren muss, umso stärker ist zwingend der Korpsgeist auszuprägen. Also, selbstverständlich hat der FKPG einen Korpsgeist, aber der Korpsgeist der Teileinheiten, der Einheiten und der Verbände der Panzergrenadiertruppe ist stärker entwickelt, ja muss intensiver ausgeprägt sein. Ansonsten könnten diese nicht so erfolgreich weltweit ihre Aufträge erfüllen. Insofern ist der richtig funktionierende Korpsgeist ein Segen, der schnell wirkende Kit, der Gemeinschaften zusammenhält und der dem Ziel dient, Extremsituationen gemeinsam erfolgreich durch- und bestehen zu können.  

Von Übel wird der Korpsgeist immer dann, wenn sich der Zweck und die Ziele einer Gemeinschaft nicht am übergeordneten Gemeinwohl orientieren sondern in Konkurrenz dazu treten. Lassen Sie mich diesbezüglich einige Beispiele nennen. Der Wettbewerb z.B., die beste Gruppe in einer Kompanie zu sein, darf nicht zu Lasten der anderen Gruppen aufgrund der Nutzung unlauterer Mittel gehen. Ein Korpsgeist darf nicht dazu führen, Missstände oder Vergehen mit einem Deckmantel aus Unwahrheiten und Lügen gemeinsam zu verschleiern. Die Würde der Anderen ist immer unantastbar. Psychische und physische Unverletzbarkeit ist bei jedem Aufnahmeritual in eine „verschworene Gemeinschaft“ zu gewährleisten. Wenn also grundlegende Regeln des militärischen Miteinanders nicht mehr respektiert werden, dann ist mit Fug und Recht von einem übertriebenen, falsch verstandenen Korpsgeist die Rede. Glücklicherweise habe ich in meinen über 44 Jahren Dienst selten grundlegende Verstöße gegen den Korpsgeist erleben müssen.

Es gibt aber auch Gefahren für den effektiv funktionierenden Korpsgeist. Da ist an erster Stelle das Vertrauen zu nennen. Vertrauen innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft aber auch das Vertrauen, das dieser Gemeinschaft von den unterschiedlichen übergeordneten Ebenen entgegengebracht wird. Wenn dieses Vertrauen nicht da ist, wenn dieses Vertrauen nicht erlebbar und spürbar ist, dann sprechen wir auch von vergifteter Atmosphäre, von toxic leadership. Wenn Gesinnungsschnüffelei oder Aufforderungen zum Denunziantentum zur Methode erhoben werden, dann ist ein funktionierender Korpsgeist gar nicht oder nur äußerst schwierig auszuprägen.

Weiterhin sind die Strukturen zu betrachten. Früher war das Unteroffizierkorps einer Kompanie überschaubar und ein Garant für das Funktionieren einer Kompanie. Heute sind diese Korps in vielen Kompanien kaum mehr in einem Raum unterzubringen. Eine Herkulesaufgabe für die „Mutter der Kompanie“, wenn sie hier einen Korpsgeist herausbilden will. Dafür braucht man viel Zeit, die aber aufgrund der noch sehr unflexiblen Ausführungsbestimmungen zur SAZV im Grundbetrieb kaum zur Verfügung steht. Obendrein sind die Unteroffizier- und Offizierheime und ihr Betrieb ein Quell steten Ärgernisses, da nur mit Schwierigkeiten und erheblichen Kraftanstrengungen, wenn überhaupt, aufrechtzuerhalten. Zu Strukturen gehört auch die Einführung von Funktionen für Controlling und Compliance. Hier gilt bei allem Verständnis für das Informationsbedürfnis der höchsten politischen und militärischen Führung, dass bei deren Ausführungsbestimmungen die Zentralisierung nicht dem Prinzip des Führens mit Auftrag zuwiderläuft und die Autorität der Vorgesetzten nicht noch weiter unterminiert wird.

Summa summarum ist festzustellen, der richtig verstandene Korpsgeist ist zwingend erforderlich, um den Auftrag optimal zu erfüllen und es ist an der Zeit, ihm in jederlei Hinsicht das Gewicht zu verleihen, das ihm zukommt. Wehren wir gemeinsam allen Versuchen, den Korpsgeist auf den verschiedenen Ebenen zu verwässern.

 

Panzergrenadiere – dran, drauf, drüber

Ihr Walter Spindler