Marienberger Reservisten bereiten Übung auf dem TrÜbPl Lausitz vor

Autor: P. Wegehaupt, 05.07.18

In der letzten Juniwoche fanden sich Soldaten des PzGrenBtl 909 in der Marienberger Erzgebirgskaserne zusammen, um ihren diesjährigen Aufenthalt auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz vorzubereiten.

Diese mehrtägige Reservistendienstleistung stand ganz im Zeichen der Vorbereitung des bevorstehenden Ausbildungshöhepunkts des Bataillons. Die Rede ist von der Truppenübung „Form A“, die im Hochsommer dieses Jahres Ende August auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz stattfinden wird.

„MOUT“

Den Schwerpunkt der zwölftägigen Übung in der Oberlausitz wird der Kampf im urbanen Gelände sein. Hinter dem Kürzel „MOUT“ verbirgt sich der Begriff „military operations in urban terrain“. Vergangene und gegenwärtige Auslandseinsätze haben gezeigt, dass Panzergrenadiere häufig, ähnlich wie Jäger und Fallschirmjäger, abgesessen infanteristisch operieren müssen. Angesichts des weltweiten Trends zur Verstädterung gewinnt die Fähigkeit, militärische Szenarien im urbanen Gelände meistern zu können, immer mehr an Bedeutung.

„Ausbildung der Ausbilder“

Während der ersten zwei Übungstage widmete man sich in der Marienberger Erzgebirgskaserne intensiv der „Ausbildung der Ausbilder“ (AdA). Mit fachmännischer Ausbildungsunterstützung durch den Couleurverband PzGrenBtl 371 (Mentoren-Prinzip) wurden den Reservisten die Grundlagen des einheitlichen Vorgehens innerhalb von Gebäuden vermittelt. Auf dem Programm standen die Phasen Annäherung an und Eindringen in ein Gebäude sowie der anschließende Kampf Raum um Raum.

Zu Beginn der MOUT-Ausbildung erfolgte zunächst der sogenannte „tape drill“. Dabei wird mit Panzerband auf einem beliebigen Fußboden der Grundriss eines Raumes oder Hauses nachgebildet. Auf diese Art kann mit geringem Aufwand taktisches Verhalten bereits geprobt werden, bevor die eigentliche Ausbildung in einem Übungsgebäude erfolgt.

Während einige Teilnehmer bereits als Aktive ausgiebig in modernen Orts-und-Häuserkampf-Taktiken geschult worden waren, stellte für andere das MOUT-Konzept weitgehend Neuland dar. Trotz dieser unterschiedlichen Vorkenntnisse gelang es schnell, die Reservisten auf einen einheitlichen Ausbildungsstand zu bringen. Nach Vermittlung und Auffrischung dieser „MOUT-Basics“ wird der kommende Aufenthalt auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz reichlich Gelegenheit zur Vertiefung bieten.

Hohe Motivation

Hauptmann Daniel Pommer zog ein positives Fazit der Übung: „Dank der tatkräftigen Unterstützung durch die aktive Truppe wurden die Reservisten auf taktisch dem aktuellem Stand ausgebildet.“ Pommer, der zivilberuflich als Büroleiter sein Organisationstalent unter Beweis stellt, sorgte als Leitender der Ausbildung für einen reibungslosen Ablauf. Der Zeitmangel, so Pommer, wurde durch die hohe Motivation der Teilnehmer ausgeglichen: „Ich habe mich gefreut, wieder erleben zu dürfen, mit welch großem Engagement unsere Reservisten dabei waren.“

Bei der Abschlussübung verschaffte sich der Kommandeur des PzGrenBtl 909, Oberstleutnant Winfried Weber, einen Eindruck über das Leistungsbild seiner Soldaten. Er war äußerst zufrieden: „Die Ausbildungsunterstützung durch die 3. Kompanie des PzGrenBtl 371 war vorbildlich! Meine Ausbilder sind nun in der Lage, im Rahmen unserer TrÜb Form A im August diese Ausbildungsabschnitte selbst zu übernehmen und unsere Hauptkräfte auszubilden!“

Im Gebäude gilt es fuer die Gruppe den Blick ueberall zu haben

 

Erkundung Oberlausitz

Freitagmorgen, noch vor Sonnenaufgang, verlegten Kräfte von 909 zwecks Erkundung zum TrÜbPl Oberlausitz. Der inmitten einer vom Braunkohletagebau geprägten Landschaft gelegene Truppenübungsplatz verfügt mit seinen modernen Gefechtsschießbahnen und Handgranatenwurfplätzen auch für die infanteristische MOUT-Ausbildung über beste Voraussetzungen. Künstliche Ortschaften mit begehbaren Gebäuden, computergesteuerten Klappscheiben und vorinstallierten „Darstellungsformmitteln“, die durch Knall- und Rauch-Effekte Mörsereinschläge oder IED simulieren, machen ein sehr realitätsnahes Üben des Orts- und Häuserkampfs möglich.

Stabsarbeit

Nach abgeschlossener Erkundung des Truppenübungsplatzes waren die folgenden zwei Tage zur planerischen Vorbereitung der großen Sommerübung in der Oberlausitz bestimmt. Da das Führungsgebiet 3 (Führung, Organisation, Ausbildung) in einem Ergänzungstruppenteil wie dem PzGrenBtl 909 nicht „aktiv abgebildet“ ist, sind die Reservisten bei der Stabsarbeit zwar mit dem Couleurtruppenteil auf Zusammenarbeit angewiesen und werden hier auch sehr gut unterstützt, ihr Anspruch ist es jedoch, von den umfangreichen Vorarbeiten möglichst viel selbst abzudecken. So wurden bis Sonntagmittag vorläufige Dienstpläne und Materialanforderungen geschrieben, Ausbildungsvorhaben, gedachte Verläufe und vieles mehr formuliert. Erneut wurde hierbei deutlich, dass die Wochenenden für Ausbildungsvorhaben nach wie vor sehr wichtig sind. „Angesichts der zivilberuflichen Verpflichtungen vieler Reservisten sind wir Ergänzungstruppenteile unabdingbar auf Wochenendübungen angewiesen. Das mit der Vorbereitung von größeren Übungsvorhaben verbundene Arbeitspensum ist anders kaum zu bewältigen. Ich bin dankbar, dass meine Soldatinnen und Soldaten hierzu auch Wochenenden bereitwilligen einbringen! Bei Übungen unter der Woche gilt es, die Bedürfnisse der Arbeitgeber im Auge zu behalten und die Freistellungstage gering zuhalten. Und bei den Wochenendübungen habe ich die Interessen der Familien im Blick. Ein schwieriger Balanceakt!“ betonte Oberstleutnant Weber die große Bedeutung von Wochenendübungen und das Engagement seiner Soldatinnen und Soldaten. Abschließend lobte er die sehr zielgerichtet und professionell durchgeführte Stabsarbeit.

Schon jetzt steht fest: Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz werden die Panzergrenadiere hervorragende Bedingungen vorfinden, um die diesjährige Truppenübung Form A „Kampf im urbanen Gelände (MOUT)“ zu realisieren.