Kurzwehrübung des Panzergrenadierbataillons 909

Autor: Hauptmann d.R. Wegehaupt

KWü PzGrenBtl909_2016_1Die Teilnehmer an der Kurzwehrübung in Marienberg (Quelle Bundeswehr/Pohlmann)

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor Kurzem haben die Reservisten des Panzergrenadierbataillons 909 in der Erzgebirgskaserne in Marienberg geübt. Auf dem Dienstplan standen die Waffen- und Geräteausbildung sowie das Gruppengefechtsschießen am Schießsimulator für Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen.

Bevor das simulierte Gruppengefechtsschießen begann, wurde im Zuge einer Waffen- und Geräteausbildung vorhandenes Wissen aufgefrischt und reaktiviert. Getreu dem Grundsatz „Reservisten bilden Reservisten aus“ leiteten Hauptfeldwebel Weindinger und Oberstabsgefreiter Tauch – sie sind Angehörige des Panzergrenadierbataillons 909 – die Ausbildung. Die Reservisten nutzten dabei die Gelegenheit, das Sturmgewehr G36 und das Maschinengewehr MG3 einmal wieder „näher unter die Lupe“ zu nehmen. Es galt, die Waffen auf Zeit zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen. Darüber hinaus riefen sich die Teilnehmer wieder die verschiedenen Anschlagsarten der Waffen ins Gedächtnis.

Ziel der Ausbildung war es, die Panzergrenadiere fit zu machen, um bei einem im nächsten Jahr anstehenden Gruppengefechtsschießen im scharfen Schuss bestehen zu können. Zugleich sollen die Soldaten auch als Sicherheitsgehilfen, zum Beispiel als Aufsicht beim Schützen, fungieren können.

Realitätsnahe Ausbildung am Schießsimulator

KWü PzGrenBtl909_2016_2Waffenausbildung: Reservisten bilden Reservisten aus (Quelle: Bundeswehr/Pohlmann)

 

 

 

 

 

 

 

 

Das verwendete Ausbildungsgerät Schießsimulator für Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen (AGSHP) ermöglichte eine realitätsnahe Ausbildung. So sind die Simulator-Waffen mit einem Druckluftsystem ausgestattet, das bei jedem abgegebenen Schuss den Rückstoß simuliert und so dem Übenden den Eindruck des scharfen Schusses vermittelt. Der Computer errechnet derweil präzise das Schussbild eines jeden Schützen. Auch wenn das im AGSHP erzeugte virtuelle Bild an ein Videospiel erinnert, wurde hier nicht wild drauflos geschossen. Jeden Übungsdurchlauf begann der Gruppenführer mit der Einteilung seiner kleinen Kampfgemeinschaft sowie einer ausführlichen „Geländetaufe“.

Der Gruppenführer legte dabei markante Punkte in der Landschaft fest. Als besonders zweckmäßig erwies sich in der Praxis, möglichst kurze und eindeutige Namen zu wählen, um Missverständnisse zu vermeiden. So wurden etwa aus einem Schuppen mit einem roten Dach „Schuppen rot“ oder für die Gebäude eines landwirtschaftlichen Betriebes die griffigere Bezeichnung „Hof“ gewählt.

Auch die Festlegung der Grenzen der Einzelschützen musste berücksichtigt werden. Eine aufwendige, blumige Ausdrucksweise – scherzhaft Gefechtsfeldlyrik genannt – ließ der Ausbilder, der zu Recht Wert auf eine klare Kommandosprache legte, nicht durchgehen. Schnell saßen die Kommandos wie „Gefechtsbereitschaft herstellen!” oder „Auf erkannten Feind Feuer frei!“. Als Gedächtnisstütze für die wechselnden Gruppenführer diente ein Flipchart, das mittels bundeswehrtypischer Kürzel wie LAD – was für Lage, Absicht, „Dazu befehle ich“ steht – an das Handwerkszeug des Gruppenführers erinnerte. Die über Lautsprecher eingespielten Geräusche von Dieselmotoren und auf Straßenasphalt ratternden Ketten kündigten feindliche Schützenpanzer an. „Panzerfaustschützen fertig machen!“, ertönte das Kommando des Gruppenführers. Wenig später stiegen Rauchschwaden aus den Wracks abgeschossener Panzer empor. Ausweichende, feindliche Schützen wurden mit gezieltem Feuer aus MG3 und G36 ausgeschaltet.

Am Ende war Ausbilder Feldwebel Hempfling zufrieden. Die Reservisten des Panzergrenadierbataillons 909 hatten sich auf dem virtuellen Gefechtsfeld des AGSHP hervorragend bewährt.

KWü PzGrenBtl909_2016_3Oberstleutnant Weber verabschiedet Oberstabsfeldwebel Ensekat
(Quelle: Bundeswehr/Pohlmann)

 

 

 

 

 

 

 

 

Verabschiedung eines verdienten „Ersatz-Kaderfeldwebels“

Ein weiterer Programmpunkt dieses ausbildungs- und ereignisreichen Wochenendes war die Verabschiedung von Oberstabsfeldwebel Ensekat aus den Reihen des Panzergrenadierbataillons 909. Oberstabsfeldwebel Ensekat hatte sich von April 2014 bis April 2015 als Ersatz für den fehlenden Kaderfeldwebel des Bataillons verdient gemacht. Der Dienstposten des Kaderfeldwebels ist der einzige aktive Dienstposten des Bataillons und für dessen Führung unerlässlich.

Oberstleutnant Weber hatte sich daher eine besondere Überraschung überlegt. Zunächst spielte der Kommandeur – ein gebürtiger Pfälzer – auf die Hassliebe an, die beinahe schon traditionell zwischen Pfälzern und Saarländern herrscht. Der Saarländer Ensekat nahm es mit gebührendem Humor – beide kennen sich schon seit 2006. Dann gab Weber ein zuvor abgesprochenes Zeichen und aus dutzenden Kehlen erklang das alte Soldatenlied „Lili Marleen“. Auch wenn die Darbietung hinsichtlich der gesanglichen Qualität nicht an das Niveau des Leipziger Thomanerchors heranreichte, zeigte sich Oberstabsfeldwebel Ensekat tief gerührt.

Kurzwehrübungen – modulare Ausbildung am Wochenende

Kurzwehrübungen – modulare Ausbildung am Wochenende Hauptmann der Reserve Mittelberg, Kompaniechef beim Panzergrenadierbataillon 909, nahm den weiten Weg aus seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Münster bis ins ferne, unweit der deutsch-tschechischen Grenze gelegene Marienberg gern in Kauf, um hier regelmäßig zu üben und Verantwortung übernehmen zu können. Gerade die Besonderheit, die von Freitagnachmittag bis Sonntagvormittag andauernde Kurzwehrübungen des Panzergrenadierbataillons 909 ableisten zu können, kommt dem Reserveoffizier Mittelberg dabei sehr gelegen. Als beruflich stark eingebundener Jurist – Mittelberg ist in einer Rechtsanwaltskanzlei tätig – wird ihm so ermöglicht, ohne Beeinträchtigung des Berufslebens seinen Reservedienst zu leisten.

Dem Bataillonskommandeur, Oberstleutnant der Reserve Weber, ist dieses Alleinstellungsmerkmal des Bataillons wichtig: „Wir bemühen uns um die maximale Schonung des Arbeitgebers. Wir wissen zu gut, dass es ein Reservist heutzutage nicht immer leicht hat. Es kann schwierig sein, einem Arbeitgeber zu vermitteln, warum er seinen Beschäftigten für eine längere Wehrübung freistellen soll. Unser Modell der an mehreren Wochenenden erfolgenden modularen Ausbildung sorgt dagegen für Akzeptanz. Ein Pensum von fünfzehn Wehrübungstagen, wovon ein Großteil an Wochenenden abgeleistet werden kann, ist machbar.“ Ein weiterer Anreiz sei die Tatsache, dass es sich bei diesen Kurzwehrübungen nicht um Dienstliche Veranstaltungen (DVag) handle, bei denen den Teilnehmern lediglich die Fahrtkosten erstattet werden, sondern um voll vergütete Reservistendienstleistungen.

Da das Panzergrenadierbataillon 909 wie sein Couleur-Verband, das Panzergrenadierbataillon 371, bereits einmal die Truppengattung wechselte, finden sich unter den Reservisten nicht wenige, die ursprünglich ein anderes Barettabzeichen trugen. Mannschaftsdienstgrade erhalten daher die Möglichkeit, die Panzergrenadier-ATN (Ausbildungs- und Tätigkeitsnummer) zu erwerben. Die fordernde Ausbildung wird regelmäßig durch die drei aktiven Patenverbände angeboten.

Die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 909 legen Wert auf ein gutes Betriebsklima. Gegenseitiger Respekt und ein freundschaftlich-kameradschaftlicher Umgangston sind den Verbandsangehörigen wichtig, auch über Dienstgradgruppen hinweg. Die Soldaten werden bei der Ausbildung und Auftragserledigung nicht gegängelt, sondern unterstützt und motiviert. Oberstleutnant Weber setzt dabei auf das Engagement und den Lernwillen seiner Reservisten.

Anmerkung der Redaktion: Es sollte korrekterweise Reservistendienstübung heißen. Wir haben uns aus redaktionellem Grunde entschieden, den Begriff zu verwenden, der in der Truppe gebraucht wird. Wehrübung!