Hochwassereinsatz der Vierecker Grenadiere im Landkreis Stendal

Ein Gastbeitrag von Hauptmann Christian Truszkowski

Fast nahtlos an einen Truppenübungsplatzaufenthalt schloss sich für das Panzergrenadierbataillon 411 der Hochwassereinsatz an der Elbe an.

Der Einsatzbefehl am 3. Juni verkürzte die Nachbereitungszeit des Übungsplatzes für die Soldatinnen und Soldaten wie auch des Materials auf das Nötigste. Jetzt ging es darum, sich dem neuen Auftrag schnell anzupassen und unverzüglich wieder in das Gebiet zu verlegen, in dem ein Großteil der vorhergehenden Übung stattfand – den Einsatzraum nahe Stendal. Besondere Eile war geboten, um wertvolle Tage der Vorbereitung zu nutzen, da der Raum Stendal und Havelberg im Vergleich zu anderen Brennpunkten eher weiter talwärts liegt und daher später vom Hochwasser betroffen war, als andere Brennpunkte wie z.B. Dresden. Erschwert wurde die Aufgabe jedoch dadurch, dass alle Zuflüsse, welche selbst Hochwasser trugen, bereits vor Stendal in die Elbe fließen und somit jede Berechnung über Gesamtmenge und Ausmaß der Flut nur auf die Daten aus Magdeburg/ Strombrücke gestützt werden konnten. Die Vorlaufzeit von verlässlichen Pegelständen betrug daher nur ungefähr einen Tag und ließ so kaum noch Reaktionszeit. Die größte Herausforderung bei der Verstärkung der teils unsanierten und stellenweise maroden Deiche war es also, diese Planungsaufgabe ohne eine Kenntnis über die Scheitelhöhe des Hochwassers durchzuführen.

Deichabsicherung OSTERHOLZ

Transport von Big-Packs durch Hubschrauber zur Deichabsicherung in OSTERHOLZ nach einem Deichriss von ca. 30m im Verantwortungsbereich des PzGrenBtl 411.

 Um schnellstmöglich an Informationen und Prognosen zu gelangen, wurde eng mit den zivilen Kräften vor Ort und den Verantwortlichen im Landratsamt zusammengearbeitet. Hierzu wurde durch das Bataillon ein Verbindungsoffizier beim Landrat abgestellt. So war es möglich, sich in täglichen Lagebesprechungen mit allen beteiligten Akteuren abzustimmen und Orts- und Deichkenntnisse sowie Erfahrungen aus dem vorangegangenen Hochwasser aus erster Hand zu nutzen. Derweil wurden die Deiche so hoch und stabil wie möglich verstärkt, ohne dabei Schlüssel- und Schwachstellen zu vernachlässigen. Eine solche Stelle war beispielsweise der kleine Ort Bömenzien. Obwohl es selbst nicht an der Elbe liegt und der kleine Bach in der Ortschaft kein Hochwasser trug, konnte davon ausgegangen werden, dass sich bei größerem Druck des vorbeifließenden Elbehochwassers die Fließrichtung dieses Baches umkehrt und sich mehr Elbewasser in ihm stauen würde, als er aufnehmen kann. Spätestens an der Quelle des Baches hätte das Wasser keinen Platz mehr, um sich auszudehnen und würde daher von der Landseite genau die Räume großflächig fluten, welche von anderen Deichen geschützt werden sollten. Entsprechend wären die Folgen eines Wassereinbruchs hier weit über das kleine Dorf selbst hinaus schwerwiegend gewesen.

War dies anfangs noch ein relativ kleiner Einsatz einer Kompanie, so wuchs dieser doch – nachdem sich der Kompaniechef selbst ein Bild der Lage gemacht hatte – schnell an und konnte nur durch die Unterstützung weiterer Verbände gelingen. Durch die gute und wirkungsvolle Zusammenarbeit der zivilen und militärischen Kräfte konnte dann auch ein Überfluten verhindert werden.

Entladung von Sandsäcken von einer Fähre durch Soldaten des PzGrenBtl 411 zur Deichabsicherung nach einem Deichriss in OSTERHOLZ

Entladung von Sandsäcken von einer Fähre durch Soldaten des PzGrenBtl 411 zur Deichabsicherung nach einem Deichriss in OSTERHOLZ

Die Anzahl der Kräfte aus unterschiedlichen Verbänden, welche auf den fast 100 km Deichlänge, die in Verantwortung des Panzergrenadierbataillons 411 waren, stieg fast im gleichen Umfang wie die immer höher werdenden Pegel der Elbe an. Eine gut organisierte Koordinierung der Kräfte wurde besonders zum Eintreffen des Scheitelpunktes wichtig, da viele Verbindungen zwischen beiden Elbufern zu Lande nicht mehr passierbar waren. So wurde ein Einsatz oft erst durch den Einsatz von Hubschraubern der Heeresflieger oder der Bundespolizei sowie durch den Einsatz von Fähren und Booten der Pioniere, der Feuerwehren oder des Technischen Hilfswerk möglich.

Auch wenn der Scheitel der Flut deutlich höher als vorher erwartet war und das Hochwasser 2002 bei weitem übertraf, war nun die entscheidende Frage, auf welche Länge sich der Scheitel erstrecken würde und wie viel Wasser die Deiche aushalten bzw. aufnehmen müssten. Wieder richtete sich der Blick vor allem auf die Messwerte und Daten aus Magdeburg, während unablässig Deichläufer vor allem den Schwerpunkt des Bataillons bei Altenzaun, einen 9 km langen unsanierten Deichabschnitt, bestreiften.

Wichtig war  in dieser Zeit Personal und Material zwar zu schonen, aber für Fälle von Sickerstellen bis hin zum Deichbruch schnell Kräfte und Gerät vor Ort zu haben. Während dieser Zeit zog der Scheitel mit einer Dauer von fast 36 Stunden von Süden nach Norden. Nach einer ersten Entspannung der Lage wurden zunächst die externen Truppenteile sowie die eigene Grundausbildungskompanie herausgelöst. Die übrigen Kompanien folgten zeitversetzt, damit weiterhin Kräfte vor Ort als Reserve bereit standen. Am Ende blieb, dass alle Deichabschnitte im Verantwortungsbereich des Panzergrenadierbataillons 411 dem Hochwasser standhalten konnten. Nach 14-tägigem Einsatz an der Elbe wurde das Panzergrenadierbataillon 411 herausgelöst und verlegt zurück in seinen Standort Viereck.

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