Der Beauftragte für Reservisten

Meine Herren, werte Kameraden,

ein erheblicher Anteil unserer Mitglieder sind Reservisten und ehemalige Soldaten.  Nachfolgend spreche ich als Reservist insbesondere die Kameraden unseres Freundeskreises an, die ihren aktiven Wehrdienst absolviert, aber noch die Uniform im Schrank zugriffsbereit oder weiter Bezug zur Truppe haben.

Als Reservist sind wir Bindeglied zwischen Truppe und der zivilen Gesellschaft – und- im Verteidigungs- oder Bündnisfall stellen wir die Masse der Soldaten! Das mag in der aktuellen sicherheitspolitischen Diskussion und auch in der Truppe nicht unbedingt der Tageslage entsprechen, ist aber unsere staatsbürgerliche Aufgabe und die Absicht der Mütter und Väter unserer Verfassung und damit unser Beitrag zu einer glaubwürdigen militärischen Prävention in Zeiten dynamischer politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen.

Als Reservisten kommt uns damit aber auch die Aufgabe zu, den Streitkräften in der öffentlichen Diskussion den Rücken zu stärken und in unserem persönlichen Umfeld für Verständnis für den Einsatz und den Auftrag unserer aktiven Kameraden zu werben. Hinzu kommt, die aktive Truppe in Übung und Einsatz zu verstärken, Lücken zu schließen oder zivil erworbene Fähigkeiten einzubringen oder zu ergänzen.

Ich verstehe mich aber auch in meiner Rolle als Reservist als jemand, der den jüngeren Kameraden noch viele Dinge beibringen und erklären kann, die in den 80er Jahren noch zum täglichen “klein-klein” der Ausbildung gehörten, in unser Fleisch und Blut übergingen und Heute, mangels Zeit, drohen in der Truppe in Vergessenheit zu geraten. Ist z.B. die Ablösung eines Alarmposten nach PAGNAAPPF oder LANGEMARK oder das behelfsmäßige Festlegen der Waffen für die Nacht, wenn dem IdZ der Strom ausgeht,  wirklich in der Armee des Einsatzes „Schnee von Gestern“? Welchen Wert hatte der Waffendrill und der Formaldienst, was meinten wir dabei mit Manneszucht und wie bereitet man sich auf einen Krieg mit einem ebenbürtigen oder gar zahlenmäßig überlegenen militärischen Gegner vor? Diese und andere Themen könnten wir „alte Herren“ beliebig fortsetzen.

Foto OTL Klahn

OTL d.R. Klahn war Stv.Kdr. PzGrenBtl.391, ist als DezLtr. im AusbKdo beordert
und ist 1.Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Munster

Als aktiver Reservist erlebe ich aber auch die hohe Taktrate der Aufträge und Vorhaben der aktiven Truppe sowie die Auswirkungen der permanenten Transformationen, Strukturanpassungen und Veränderungen in unserer Bundeswehr, denen der einzelne, vielleicht weniger aktive Reservist, Mühe hat zu folgen. Das fällt auch wirklich nicht schwer, nachdem nach der Heeresstruktur V alle weiteren Reformen nur noch mit kurzlebigen Arbeitstiteln versehen wurden und die Diskussion ob wir aktuell bei Strukturreform Nummer 8, 10 oder 12 sind, selbst Insidern einiges Wissen abverlangt.

Neben dieser schwindenen Orientierung des “who-is-who” der Streitkräfte und welcher Verband gehört organisatorisch zu wem, teilen die Masse der Reservisten meine Erkenntnis, daß ihr Batallion, ihr “Haufen”,  irgendwann in der Zeit zwischen 1990 bis 2000 aufgelöst wurde. Wir waren einst 64 Panzergrendierbataillone, die Mot.Schützen  Bataillone der NVA, aus denen mein heutiges Bataillon hervorgeht, nicht eingerechnet!

                                              
 

Die Masse der Bataillone in den ich Dienst tat, die Panzergrenadierbataillone 53, 52, 163, 162, 382 wurden aufgelöst, die 13.Panzergrenadierdivision wird dieses Jahr zum Ausbildungskommando umgegliedert! Damit gingen Strukturen aber auch Beziehungen und treue Kameradschaft verloren.

Hier in diesem Freundeskreis, dem ich seit 2004 angehöre, fand ich bereits einige “alte Kameraden” wieder und freue mich, an das alte Band der Kameradschaft wieder anknüpfen zu können. Wir Panzergrenadiere wollen in diesem Freundeskreis aber auch einen Raum für die Tradition unserer Waffengattung geben und dem Dienst und dem Einsatz unserer Kameraden ein würdiges Andenken bewahren. In diesem Sinne lade ich alle übrigen Traditionsverbände unserer Waffengattung ein, bei uns mitzuwirken.

Als Mitglied des erweiterten Vorstandes und Beauftragter für die Reservisten sehe ich also meinen Auftrag darin, Kameraden für diesen Freundeskreis zu gewinnen, Ansprechpartner für die Belange der Reservisten zu sein und Reservisten zum Wohle der aktiven Truppe dabei zu helfen, eine neue militärische Heimat zu finden.

Kameraden, wir werden gebraucht!