Das PzGrenBtl 909 übt den Orts- und Häuserkampf in der Oberlausitz

Weißkeisel/Sachsen, 02.10.2018.

Der Schwerpunkt der Truppenübung des nicht-aktiven Panzergrenadierbataillons 909 (ErgTrT Typ 2) war in diesem Jahr der Orts- und Häuserkampf. Vom 19. bis zum 31. August haben die Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Weißkeißel geübt. Wie jedes Jahr bildeten dabei Reservisten Reservisten aus. Trotzdem war alles etwas anders: die Truppenübung Form A, eine Volltruppenübung, fand im Verbund mit aktiven Kameraden vom Panzergrenadierbataillon 371 „Marienberger Jäger“ statt, die zeitgleich auf dem TrÜbPl in der Oberlausitz übten und den Leitverband stellten. Eine optimale Ausgangslage für das PzGrenBtl 909, das zu 100% aus Reservisten besteht.

 

Gruppe geht vor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Soldaten des Panzergrenadierbataillons 909 üben den Häuserkampf im urbanen Gelände (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Aus ganz Deutschland reisten am 19. August die Angehörigen des Ergänzungstruppenteils an, um für zwei Wochen ihre zivile Kleidung – die Nadelstreifenanzüge oder Blaumänner – an den Nagel zu hängen und gegen die militärische Flecktarnuniform in ihrem Beorderungstruppenteil, dem Panzergrenadierbataillon 909 auszutauschen.

Bereits im Juni hatten die Angehörigen des Bataillons in Marienberg im Erzgebirge den Grundstein für diese Übung gelegt. Eine große Herausforderung bei nicht-aktiven Verbänden ist es, den stets heterogenen Ausbildungsstand der Teilnehmer auf ein einheitliches Niveau zu bringen. Dies geschieht durch Rückgriff auf einen aktiven Ausbilder, der als Mentor wirkt. Dies war in diesem Jahr Stabsfeldwebel Jan Schmidt vom Panzergrenadierbataillon 371. Er bereitete bereits im Juni die Reservisten auf das Thema Orts- und Häuserkampf vor. Ziel war es, dass nach dieser „Ausbildung der Ausbilder“ die weitere Ausbildung innerhalb des Bataillons durch Angehörige der 909er selbst erfolgt, gemäß dem Grundsatz „Reservisten bilden Reservisten aus“.

Aufgaben werden umverteilt

Scheune

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Soldaten nutzen einen Schuppen, um sich der Ortschaft unbemerkt zu nähern (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Wie bei jeder Übung stellte sich auch am 19. August, dem ersten Tag, die spannende Frage: Wer steht eigentlich zum Übungsbeginn auf dem Platz? Denn immer wieder fallen einzelne bereits gemeldete Reservisten aus. So gibt es berufliche Gründe, wenn zum Beispiel ein kurzfristiger Projektauftrag in der Firma erfüllt werden muss. Manchmal erkrankt auch ein Familienmitglied und der Reservist wird dringend zuhause gebraucht. Die Aufgaben für die der Fehlende vorgesehen war, müssen dann auf andere Schultern verteilt werden.

In der Ausbildungsgruppe der 909er waren auch wieder neue Kameraden, die zum Beispiel an der Vorausbildung im Juni in Marienberg nicht teilnehmen konnten, die nicht vollständig eingekleidet waren oder die erneut beim Truppenarzt vorstellig werden mussten. Die Folge: Der erste Tag war zunächst mit allgemeinen Organisationsmaßnahmen gefüllt. Doch dann war es soweit: Ab dem Nachmittag konnte mit der Ausbildung begonnen werden.

Freude über die steile Lernkurve

VENÜ Vorgehen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mentor Stabsfeldwebel Jan Schmidt (r.) vom aktiven Panzergrenadierbataillon 371 zeigt, wie man vorgeht, wenn man in ein Gebäude eindringen will (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Richtig ernst wurde es am folgenden Tag: Dem Wecken um 4:45 Uhr folgten um 5:15 Uhr das Frühstück und um 6:00 Uhr der Waffenempfang. Sieben Uhr ging es auf die Schießbahn und die praktische Ausbildung des Orts- und Häuserkampfs konnte beginnen. Mentor Stabsfeldwebel Jan Schmidt zeigte sich nach diesem Tag beeindruckt von dem Engagement der Reservisten: „Unsere Kameraden legen eine steile Lernkurve an den Tag. Der Einsatz stimmt zu 110 Prozent, den Rest kann man lernen.“ Er blieb dabei aber realistisch: „Der Orts- und Häuserkampf ist eine der anspruchsvollsten Tätigkeiten der Grenadiertruppe. Um das Lernziel ,Können‘ zu erreichen, müssen die Tätigkeiten des Einzelschützen beherrscht werden und eine feste Gruppe über einen längeren Zeitraum in verschiedensten Lagen üben,“ sagte Schmidt. Das sei in einer so kurzen Zeit mit unterschiedlichsten Ausbildungsständen nicht erreichbar. Ziel der Ausbildung sei es daher, die verschiedenen Phasen im Orts- und Häuserkampf zu kennen und die ersten Phasen solide auszubilden. „Tiefe geht hier vor Breite. Darauf kann dann in Folgeausbildungen aufgebaut werden,“ so der erfahrene Stabsfeldwebel.

Leistung zahlt sich aus

Beförderung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kompaniechef, Major Markus Sander (l.), und der Spieß, Stabsfeldwebel Joachim Florack (r.), befördern den Stabsgefreiten David Häßler (M.) zum Oberstabsgefreiten (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Auch der als Gruppenführer und Ausbilder eingesetzte Stabsfeldwebel der Reserve Jens Weindinger war zufrieden mit seinen Männern. In seinen zwölf aktiven Dienstjahren in der Feldwebellaufbahn hat er viele Erfahrungen gesammelt, die er jetzt an seine Kameraden weitergibt. Viel Zeit bleibt dem Geschäftsführer eines Fitnessstudios und frischgebackenen zweifachen Vater nicht zum Üben.
Auf die Frage, was denn seine Lebensgefährtin dazu sagt, dass er seine knapp bemessene Freizeit freiwillig auf Truppenübungsplätzen verbringt, meinte er nur grinsend: „Na ja, richtig glücklich ist sie nicht darüber. Immer wenn ich zeitweise meiner Zweitberufung als Soldat folge, machen wir danach einen kleinen Urlaub. Da glätte ich die Wogen und bereite sie schonend darauf vor, wann die nächste Übung geplant ist.“

Leistung macht sich natürlich auch bei den Reservisten bezahlt. Jede Beförderung in der Reserve folgt dem verfassungsrechtlichen Grundsatz: Eignung, Befähigung, fachliche Leistung. Neben der Stehzeit auf einem Dienstposten, die nicht kürzer sein darf als die der aktiven Kameraden, muss der Soldat eine Mindestanzahl von Tagen auf seinem Dienstposten geübt haben. Die jeweiligen Vorgesetzten entscheiden dann in einer Beurteilung, ob der Kamerad für den neuen Dienstposten oder Dienstgrad geeignet ist und ob er die dafür notwendigen Fähigkeiten erworben hat.

Sicherung 2to

 

Ein Soldat sichert das Abschleppen eines liegengebliebenen Unimogs (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Die Reservisten vom Panzergrenadierbataillon 909 haben gemeinsam mit ihrem Patenverband, dem aktiven Panzergrenadierbataillon 371 „Marienberger Jäger“, auf dem Truppenplatz Oberlausitz in Weißkeißel eine mehrtägige Ausbildungsübung absolviert. Schwerpunkt der Übung der 909er vom 19. bis 31. August war der Kampf und Einsatz im urbanen Gelände. Zu der umfangreichen Ausbildung gehörten auch das Handgranatenwerfen, das Schießen mit dem MG 5, das Schulschießen, ein Gefechtsmarsch zu Fuß sowie ein Gruppengefechtsschießen.

Wie immer hatte die Ausbildungsgruppe der Reservisten des Panzergrenadierbataillons 909 einen unterschiedlichen Ausbildungsstand. Daher legten die Ausbilder vor dem ersten scharfen Wurf die notwendigen Grundlagen: Ein vorbereitender Unterricht, Ausbildung und Einweisung in den Umgang mit der Übungs-Handgranate und der Gefechtshandgranate, Ausbildung im Bogen- und Schleuderwurf, Ziel- und Weitwurfübungen sowie die Schulwurfübungen und die Vorübung zum Beziehen der Notdeckung – dies alles waren die notwendigen Vorausbildungen, um auf dem Handgranatenwurfstand die Gefechtshandgranate zu werfen.

Major Markus Sander kam schließlich zu der Entscheidung: Jetzt haben die Soldaten den notwendigen Ausbildungsstand erreicht. Trotzdem waren manche Nasen und die Knöchel weiß, als die Kameraden den ersten Weg mit der Handgranate zur Werferstellung in Angriff nahmen. Einige hatten zum ersten Mal in ihrem Leben eine Gefechtshandgranate in der Hand. Für andere lag der letzte scharfe Wurf weit zurück. „Fertig machen zum Wurf!“, „Fertig!“, „Wurf!“ Die Angst flog und explodierte im zugewiesenen Ziel mit den Granaten. Für jeden Soldaten planten die Ausbilder fünf scharfe Würfe ein. Auch noch nach dem letzten Wurf verließen die Kameraden die Werferstellung mit leuchtenden Augen. Die letzten Worte des Kompaniechefs beim Abschlussantreten: Ausbildungsziel erreicht.

Großes Interesse am neuen MG5

MG5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Reservist übt den Umgang mit dem neuen MG5 (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Fast alle Soldaten der Bundeswehr sind mit dem Maschinengewehr MG3 groß geworden. Die 3. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 371 ist als eine der ersten Einheiten der Bundeswehr mit dem neuen Maschinengewehr MG5 ausgerüstet. Dankend nahmen die nicht-aktiven Soldaten von der 3. Kompanie der 909er das Angebot an, an dieser neuen Waffe ausgebildet zu werden. In mehreren Ausbildungsabschnitten wurden die Grundlagen für eine Teilnahme am Schulschießen gelegt. Auch nach der offiziellen Ausbildung nutzten die Reservisten die Gelegenheit, sich mit dieser neuen Waffe vertraut zu machen.

Auf einem ganztägigen Gefechtsmarsch übten die Reservisten an verschiedenen Stationen ihre soldatischen Grundfertigkeiten: das Verhalten bei ABC-Alarm, die Bergung von Kraftfahrzeugen, die Rettung, Versorgung und der Transport von Verwundeten sowie das Überwinden von Gewässern. Der Abschluss dieses Ausbildungstages wurde dann mit einem gemeinsamen Grillen bei den 371ern beendet. Am Sonntag folgte ein gutbesuchter ökumenischer Feldgottesdienst.

Gruppengefechtsschießen mit Aktiven

WUG MG5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Schießen mit dem MG5 wird in Gruppen geübt (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Was darf auf keinem Truppenübungsplatz fehlen? Das Gefechtsschießen. In den letzten Jahren stemmten die Kameraden von 909 ihre Gefechtsschießen selbst. Ein Truppenübungsplatz bietet hierzu uneingeschränkte Ausbildungsmöglichkeiten. Auch hier konnten Synergien durch die gemeinsame Nutzung des TrÜbPl Oberlausitz mit dem CouleurTrT PzGrenBtl 371 genutzt werden. Das auf der Nachbarschießbahn durchgeführte MILAN-Schießen wurde in die Lage eingebunden und simulierte das Anschießen des Gegners, der anschließend vor die eigene Stellung auswich – Ausbildungsmöglichkeiten, die nur im Verbund mit einer aktiven Truppe möglich sind.

Positive Bilanz

Antreten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Winfried Weber (l.), wertet mit den angetretenen Reservisten die Ausbildungsübung aus (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Aus Sicht des Bataillonskommandeurs, Oberstleutnant Winfried Weber, hat sich der Ansatz „Reservisten bilden Reservisten aus“, mit Unterstützung eines Mentors aus der aktiven Truppe bestens bewährt. „Unser Anspruch ist es, unseren Ausbildungsstand auf Augenhöhe mit der aktiven Truppe zu haben. Da meine Reservisten fest im Berufsleben stehen, können sie sich nicht selbst im Vorfeld eines Ausbildungsvorhabens auf den aktuellsten Ausbildungsstand bringen. Dies kann nur durch einen aktiven Ausbilder geschehen, mit dem Ziel, dass meine Männer dann so schnell wie möglich selbst übernehmen – und das haben sie mit beeindruckender Leistung gezeigt,“ sagte er zum Abschluss 14-tägigen TrÜb Form A des PzGrenBtl 909.

Feldgottesdienst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An dem ökumenischen Festgottesdienst am Rand des Truppenübungsplatzes nehmen am Sonntag zahlreiche Soldaten teil (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

 

Autor: Maj Sebastian Mittelberg