Battle at the Bunkerstrasse

Deutsch-britische Zusammenarbeit auf Ebene einer verstärkten
Panzergrenadierkompanie. Erfahrungsbericht aus dem SchÜbZ 09/13
 
Anmerkung der Redaktion: Der nachfolgende Bericht über eine Deutsch-Britische Übung im SchÜbZ ist ein interessantes Beispiel multinationaler Zusammenarbeit. Der Autor berichtet darin auch über Herausforderungen in der funktechnischen Zusammenarbeit mit dem Schützenpanzer Warrior. Diese erklären sich im wesentlichen aus der 1-5Watt starken Sendeleistung des  britischen VHF-Funkgerätes, das durch den Ampliphier, d.h. Verstärker auf bis zu 50Watt erhöht werden kann. Dabei wählt das Gerät die Signalstärke in Abhängigkeit zum Empfänger automatisch. Von daher dürfte es nicht verwundern, daß die britischen Warrior die deutschen Marder schlicht überblendet haben. AK
 

Dt Brit PzGrenZug 401

 

 

 

 

 

Von Chris Helmecke

Während meiner Übernahme der 2./Panzergrenadierbataillon 401 im März 2013 erfuhr ich, dass ich mit meinen Männern und Frauen am Übungsdurchgang 09/13 des Schießübungszentrums Panzertruppen (SchÜbZ PzTr) in Munster teilnehmen werde. Kurz darauf stand dann auch der genaue Auftrag fest: Einsatz als Verzögerungskräfte und Integration eines britischen mechanisierten Infanteriezuges in meine Kompanie. So stand ich nun vor zwei Herausforderung: ich habe noch nie im Rahmen einer Kompanie verzögert und dann noch alles auf Englisch.

Die Integration des britischen Zuges ist ein Versuchsprojekt, inwieweit multinationale Zusammenarbeit auf Ebene der Kompanie funktionieren kann.

Die Vorbereitung

Die Zeit der Vorbereitung war sehr eng bemessen. So musste ich nicht nur eine neue Operationsart ausbilden und mindestens die Ebene des Halbzuges erreichen. Auch Englisch stand nun auf dem Programm, für die Unterführer, aber insbesondere für die Kompanieführung. Aufgrund des Hochwassereinsatzes und des Jahresurlaub begann die intensive Vorbereitung erst im August, etwa sechs Wochen vor Übungsbeginn.

Seit Juli stand ich auch mit dem Company Commander der B-Company, 5th Bataillon, Infantry Regiment „The Rifles“ aus Paderborn in Verbindung, um die weitere Planung abzusprechen. Im August kam es dann schließlich zu einem ersten Treffen in Munster mit dem Company Commander und zwei weiteren Soldaten, darunter auch der Platoon Sergeant des mir dann unterstellten Zuges. Der Platoon Commander selbst war zu diesem Zeitpunkt leider dienstlich verhindert. In dem freundlichen Gespräch merkte man bereits die tolle Stimmung untereinander, die den späteren Aufenthalt im SchÜbZ PzTr prägen sollte. Eine erste Sorge wurde auch genommen: das Englisch der Kameraden war sehr gut verständlich.

Der Übungsdurchgang

Aufgrund des Pilotprojekts wurde auch der sonst klassische Ablauf eines SchÜbZ-Übungsdurchganges abgeändert.

Die angeleitete Ausbildung auf Zugebene (ZgAngA) wurde auf drei Tage erweitert, um intensiver auf die Grundlagen einzugehen und auch den britischen Kameraden Zeit zu geben, sich im neuen Gelände zu beüben. Anschließend folgten zwei Tage angeleitete Ausbildung auf Kompanieebene (KpAngA).  Den Ausbildungshöhepunkt bildete die 60h-Übung, in der das angewandt werden sollte, was vorher in der angeleiteten Ausbildung ausgebildet u vertieft worden ist. Der sonst übliche „scharfe Schuss“ in der zweiten Woche entfiel zu Gunsten der vertieften Ausbildung. Zur Unterstützung begleitete auch ein britischer Ausbilder den Durchgang und die Ausbildung des britischen Zuges. Durch diesen konnten wir weitere Einblicke in die britische Kampfweise gewinnen.

Die Sprache

Die sprachliche Barriere war doch nicht so groß, wie anfangs vermutet. Die Masse der britischen Kameraden war gut zu verstehen. Sie waren erfreut über unsere Englischkenntnisse und schätzten es sehr, mit uns in ihrer Muttersprache zu sprechen. Dabei war es nicht ausschlaggebend, wie gut  und grammatikalisch richtig wir sprachen. Es gab immer einen Weg und am Ende verstanden wir uns immer. Im Laufe der Zeit merkte man, dass die erste Hemmschwelle sank und auch die Kameraden, die nur geringe Englischkenntnisse besaßen, sich nun von selbst mit Freude ins Gespräch einbrachten.

Auf Grund des Englisch war gerade die Phase der Planung sehr intensiv, insbesondere zeitlich. Alle Befehle und Befehlsausgaben musste in Englisch vorbereitet und durchgeführt werden. Auch über Funk wurde nur auf Englisch geführt. Die Herausforderung waren hier insbesondere die militärischen Fachbegriffe. Doch kam relativ schnell die Phase, in der ich merkte, dass das Englisch doch kein so großes Problem ist. Nach wenigen Tagen dachte man bereits nur noch auf Englisch. Auch die Befehlsausgaben wurden mit der Zeit flüssiger und freier im Vortrag.

Kampfweise und taktische Grundsätze

Der gemeinsame „Kampf“ im SchÜbZ PzTr zeigte auch die Unterschiede in Kampfweise und den taktischen Grundsätzen, was vor allem zu Beginn der Übung auffiel.

Der britische Zug wechselte gemäß seiner Grundsätze im Rahmen des Beziehens einer Stellung immer automatisch die Kampfweise. Dies muss durch den Kompaniechef berücksichtigt werden, um ein schnelles Ausweichen zu gewährleisten.

Auch beim taktischen Terminus „Fühlung zum Feind herstellen“ bedarf es Vorsicht, denn dies bedeutet nach dem britischen Verständnis den Kampf aktiv zu suchen und nicht einfach nur zu beobachten und aufzuklären. Dies wird dann eher durch ein „überwachen“ befohlen.

Die britischen Soldaten verteidigen stärker und länger eine Stellung als notwendig in einem Verzögerungsgefecht. Hier musste anfangs der eindeutige Befehl zum Ausweichen durch den Kompaniechef kommen. Dies relativierte sich im Laufe der Zeit und der Zugführer stellte von selbst den Antrag zum Ausweichen. Hier wird der Unterschied zu unserer Auftragstaktik deutlich. Zu weite Grenzen und Auftragsfreiheit waren ungewohnt für den britischen Zug. Für den Kompaniechef bedeutete dies: detailliert befehlen und einweisen.

Führungsmittel

Das Funken mit dem britischen Zug stellte eine große Herausforderung dar. Zum einen funktionierte es nur über Handwahl. Zum anderen waren die Signalstärke des Schützenpanzers WARRIOR oft zu stark, so dass dieser den Funkkreis beherrschte und alle anderen Kreisteilnehmer „wegdrückte“. In einigen Phasen beeinflusste dieses Problem erheblich den Gefechtsverlauf, insbesondere wenn gerade der Kompaniechef mit einem anderen im Schwerpunkt eingesetzten Zug funkte. Weiterhin war es problematisch, dass es teilweise Minutenlang keine Funkverbindung zum britischen Zug gab.

Für weitere Projekte muss hier die Kompatibilität der Fahrzeuge und insbesondere der Funkausstattung noch einmal durch Fachpersonal genau untersucht werden.

Ausbildungsmittel

Trotz zwei verschiedener Simulationssysteme stellte die Kompatibilität beider kein Problem dar. Dies lag an einem einzigen Grund: Die Firma SAAB programmierte das britische Simulationssystem auf die deutschen Codes um. Ohne dieses Engagement wäre ein Zusammenspiel dieser zwei Systeme nicht möglich.

Kameradschaft und Integration

Dieses besondere Projekt lebte von den Menschen, die dieses durchführten. Die Konstellation war einfach nur perfekt. Auf Anhieb verstanden sich deutsche und britische Kameraden. Auf allen Ebenen, vom Kompaniechef bis zum einfachen Schützen, fand ein reger Erfahrungsaustausch statt. Egal, ob im Gefecht oder im Technischen Bereich: sofort fanden sich die Kameraden und es begannen Gespräche sowie Materialaustausch und Einweisungen in das jeweils andere Gerät. Es war für beide Seiten ein großer menschlicher Gewinn. Am Ende ist es schwierig festzustellen, ob dies generell an der deutsch-britischen Beziehung lag oder einfach nur die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und sich gefunden haben.

KpChef und PltCd

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

Das deutsch-britische Pilotprojekt war ein Gewinn für mich persönlich und für meine Kompanie. Menschlich war es eine Bereicherung, denn wir übten mit gut ausgebildeten, motivierten und sehr kameradschaftlichen britischen Soldaten. Auch das Führen in Englisch kann nur als Gewinn angesehen werden, unabhängig wie viel größer dadurch der Arbeitsaufwand war. Und schließlich gewannen wir Einblicke in andere taktische Grundsätze, was half sein eigenes taktisches Geschick weiterzuentwickeln und zu optimieren. Sollten die Probleme bei den Führungsmitteln geklärt werden, sehe ich optimistisch in die Zukunft für weitere Projekte dieser Art.

Autor:

Hauptmann Chris Helmecke M.A., Kompaniechef 2./Panzergrenadierbataillon 401, Hagenow