Neues aus dem Ausbildungszentrum

 

Panzer- und Panzergrenadiertruppe unter einem Dach

Das Ausbildungszentrum Panzertruppen in MUNSTER ist truppendienstlich dem Ausbildungszentrum MUNSTER unterstellt. Es ist verantwortlich für die Ausbildung des Führernachwuchses der Panzer- und Panzergrenadiertruppe; auch heute noch das Rückgrat des deutschen Heeres.

Im Rahmen der Ausbildungsunterstützung für ausländische Streitkräfte aus dem Bereich der NATO und befreundeter Staaten führt das Ausbildungszentrum Panzertruppen in teilweise mehrjährigen Programmen Erst- und Führerausbildungen an einsatzwichtigem Großgerät durch. CANADA, NORWEGEN, CHILE und SINGAPUR sind aus jüngster Vergangenheit zu nennen, GEORGIEN zeichnet sich als nächster „Kunde“ ab.

Das „Mutterhaus“ der deutschen Panzertruppen setzt die Tradition der Panzertruppenschule fort, und so führt das Ausbildungszentrum Panzertruppen auch heute noch den inoffiziellen Beinamen „Panzertruppenschule“.

Auch das Wappen des Ausbildungszentrums Panzertruppen, der gepanzerte Schwertarm auf silbernem Untergrund in Verbindung mit dem Buchstaben S für „Schule“, versinnbildlicht die Wahrung dieser Tradition.

 

Geschichte

Der Name Panzertruppenschule wurde erstmalig am 01. Oktober 1937 der „Heereskraftfahrschule Wünsdorf“ im Kreis Teltow, Brandenburg, verliehen. Diese war für den Aufbau und die Ausbildung der Panzer-, Panzeraufklärungs- und Panzergrenadiertruppe zuständig. Im Jahr 1941 wurde die Schule in „Schule für Schnelle Truppen – Wünsdorf“ umbenannt. Im April 1943 wurden dann die Panzertruppe, die Panzergrenadiertruppe, die Panzeraufklärungstruppe, die Panzerjägertruppe und die Kradschützen unter dem Begriff Panzertruppen zusammen gefasst und folgerichtig wurde auch die Schule in Wünsdorf wieder in „Panzertruppenschule“ umbenannt. Im August desselben Jahres wurde die Panzertruppenschule nach Bergen verlegt und erhielt am 01. März 1944 den Namen Panzertruppenschule I – Bergen. Mit dem Kriegsende 1945 wurde die Schule aufgelöst.

Die Geburtsstunde der Panzertruppenschule der Bundeswehr schlug am 22. März 1956 mit der Aufstellung der beiden Truppenschulen für die Panzer- und Panzergrenadiertruppe in Munster. Zeitgleich wurden in Bremen die Panzeraufklärungsschule und die Panzerjägerschule aufgestellt. Aufgabe dieser Schulen war die Erziehung und Ausbildung des Führernachwuchses der Panzertruppen in der noch jungen Bundeswehr. Schon am 01. Oktober 1957 wurden die Schulen für die Panzer- und die Panzergrenadiertruppe zur Panzertruppenschule zusammengelegt. Grund dafür war die Erkenntnis, dass das enge Zusammenwirken von Panzern und Panzergrenadieren auf dem Gefechtsfeld bereits in der gemeinsamen Ausbildung geübt werden muss. Gleichzeitig wurden der Panzertruppenschule das Panzerlehr- und das Panzergrenadierlehrbataillon zur Unterstützung der Ausbildung unterstellt.

1963 wurde die Panzertruppenschule dann in Kampftruppenschule II umbenannt, 1972 wurde diese dann mit der Kampftruppenschule III, der ehemaligen Panzerjägerschule, verschmolzen. In der Folgezeit gewann die Darstellung der Einsatzgrundsätze der Truppengattungen sowie der Leistungsfähigkeit und Schlagkraft des Heeres für zivile und militärische Besucher immer mehr an Bedeutung. Diesen Auftrag nahm die Schule, zusätzlich zu ihrem Erziehungs-,  Ausbildungs- und Weiterentwicklungsauftrag, durch die unterstellte Panzerlehrbrigade 9 wahr, die so zum „Schaufenster des Heeres“ mit einer ausgezeichnete Reputation im In-und Ausland wurde.

1995 erhielt die Schule wieder ihren alten Namen Panzertruppenschule. Nach einer erneuten Umgliederung des Heeres im Jahr 2007 erfolgte die Umbenennung zum  Ausbildungszentrum Panzertruppen, die auch heute noch gilt. Trotz aller Veränderungen über die verschiedenen Strukturen hinweg, ging der Name Panzertruppenschule nie verloren. Seit dem 19. Juni 1966 heißt die Heimat der Schule „Kaserne Panzertruppenschule“ und dokumentiert so offiziell die Verbindung zu den historischen Vorgängern.

 

Auftrag und Gliederung

Das Ausbildungszentrum Panzertruppen wird vom Kommandeur Ausbildungszentrum Panzertruppen, General der Panzertruppen und stellvertretenden Kommandeur des Ausbildungszentrums MUNSTER geführt. Es ist wie folgt gegliedert:

Bild 2 Gliederung AusbZ PzTr

1. Bereich Lehrgänge

In diesem Bereich wird die gesamte lehrgangsgebundenen Ausbildung für Offiziere, Feldwebel und Feldwebelanwärter der Panzer- und Panzergrenadiertruppe sowie Führungslehrgänge für Reservisten durchgeführt. Darüber hinaus werden hier auch allgemeinmilitärische Laufbahnlehrgänge und die allgemeine Grundausbildung im Rahmen der Feldwebel- und Unteroffizierausbildung aller Truppengattungen durchgeführt.

Insgesamt können zeitgleich bis zu ca. 600 Lehrgangsteilnehmer auf den Führungsebenen vom Truppführer/Kommandant bis zum Bataillonskommandeur ausgebildet werden.

Der Bereich Lehrgänge gliedert sich dazu in vier Ausbildungsbereiche. Der Ausbildungsbereich I widmet sich mit sechs Hörsälen der Offizierausbildung, während der Ausbildungsbereich II sich mit weiteren sechs Hörsälen für die Unteroffizierausbildung verantwortlich zeichnet. Der Ausbildungsbereich III bildet mit drei Ausbildungszügen den Unteroffiziernachwuchs im allgemein-militärischen Teil aus. Dieser Bereich wird mit Einnahme der neuen Heeresstruktur zum 30.09.14 aufgelöst. Der Ausbildungsbereich IV, der mit vier Zügen die Allgemeine Grundausbildung der Feldwebel- und Unteroffizieranwärter durchführt, wird zum 30.06.14 aufgelöst.

Bild 4 Ausb PzGren Mit SPz Marder

Der Bereich Lehrgänge ist außerdem verantwortlich für die Durchführung der jährlich im Heer stattfindenden Dienstlichen Veranstaltung zur Information für zivile Führungskräfte. In dieser einwöchigen Informationsveranstaltung erhalten interessierte Multiplikatoren aus den verschiedensten Bereichen von Wirtschaft, Politik, Medien und Verwaltung einen umfassenden Einblick in die Bundeswehr, deren Ausbildung und die Tätigkeitsfelder der Soldaten des Deutschen Heeres im Ausbildungsdienst und im Einsatz. Die Teilnehmer werden dazu mit Dienstantritt Soldaten, werden eingekleidet, legen ein Feierliches Gelöbnis ab und erhalten den vorübergehenden Dienstgrad Oberleutnant.

2. Bereich Lehre

Der Bereich Lehre steuert die Ausbildung, plant die Lehrgänge, ist für die kontinuierliche Aktualität und Fortentwicklung der Lehre verantwortlich und bildet somit die Schnittstelle zwischen dem vorgesetzten Ausbildungszentrum MUNSTER und dem Ausbildungszentrum Panzertruppen.

Der Bereich umfasst das Simulationszentrum Panzertruppen, das die computer-/ simulationsgestützte Ausbildung der Panzertruppen durchführt. Mit den Simulatoren werden die Ebenen vom Einzelschützen über den Kampf-/ Schützenpanzer, die Gruppe bis hin zum Zug beübt und so intensiv auf die weiterführende Ausbildung mit dem Großgerät im Gelände vorbereitet. Die Ausbildung wird dadurch nicht nur effektiver sondern spart darüber hinaus knappe Ressourcen ein.

Bild 3 AGSHP

Für die aktive Beratung in der praktischen Schießausbildung der Verbände und Kompanien der Panzertruppen stehen zwei Schießberater zur Verfügung. Diese beiden besonders ausgebildeten und erfahrenen Oberstabsfeldwebel unterstützen die Truppe, wo und wann immer sie angefordert werden.

3. Schießübungszentrum Panzertruppen

Das Schießübungszentrum Panzertruppen (SchÜbZ PzTr) ist eine zentrale Ausbildungseinrichtung des Heeres für verstärkte Panzer- und Panzergrenadierkompanien. Bis zu 12-mal jährlich wird jeweils ein zweiwöchiges Training als kombinierte Führer- und Truppenausbildung auf der Ebene der verstärkten Panzer- oder Panzergrenadierkompanie durchgeführt. Die hervorragende Anbindung an die Truppenübungsplätze  MUNSTER NORD und BERGEN bietet einzigartige Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten. Der Auftrag ist das Verbessern und Vertiefen des Führungskönnens und -verhaltens aller militärischen Führer einer verstärkten Kampftruppenkompanie. Die hohe Auslastung dieser Ausbildungseinrichtung resultiert nicht nur aus dem nationalen Ausbildungsbedarf sondern auch aus multinationalen Trainings wie z.B. für die Ausbildung des ORF-Bataillons oder Kompanien für die EU Battle Group.

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Die Ausbildung folgt dem Motto „Vom Einfachen zum Schweren“. Jedes Training fängt mit einer Ausbildung am Sandkasten an und schließt mit einer Gefechtsübung mit Gefechtsmunition ab. Durch die Nutzung der Schießanlage Urbane Operationen Panzertruppe wird darüber hinaus der Einsatz aller Waffen, bis zum Kampfpanzer, in einem urbanen Umfeld ausgebildet, was besonders im Rahmen der Einsatzvorbereitung große Handlungssicherheit schafft.

Im Bereich „Auswertung Übung“ wird die Übung gesteuert und dokumentiert. Es beinhaltet die Zellen Datenverarbeitung, Dokumentation, Artillerie- und Pionierwesen. Der Bereich „Schießberatung und Ausbildung“ ist verantwortlich für die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der im Trainingsdurchgang durchgeführten Kompaniegefechtsschießen. Diese bieten besonders durch die Nutzung von Schießräumen, auch abseits der normalen Schießbahnen, Flexibilität in der taktischen Bewegung. Der Bereich „Schieß- und Gefechtsausbildung“ stellt die Ausbildung der Teileinheiten in allen Facetten sicher und nimmt in der Gefechtsübung mit und ohne Gefechtsmunition die Aufgaben des Leitungs- und Schiedsrichterdienstes sowie des Sicherheitspersonals wahr.

 

Das Ausbildungszentrum Panzertruppen in der Struktur HEER 2011

Die wesentlichen Änderungen im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr werden nach aktuellem Planungsstand mit Masse erst Anfang 2015 zum Tragen kommen. Im Rahmen der Umgliederung wird das Ausbildungszentrum Panzertruppen in Ausbildungsbereich Panzertruppen umbenannt werden. Ihm werden dann die traditionellen Inspektionen und Hörsäle unterstellt.

Die Aufgaben der sich in der Auflösung befindlichen Ausbildungsbereiche III und IV werden derzeit in die neu aufgestellten, dem Ausbildungszentrum MUNSTER unterstellten, Feldwebel und Unteroffizieranwärterbataillon 2 in Celle und 1 in Sondershausen/Thüringen überführt.

Abschließend wird das aus 3 Kompanien bestehende Offizieranwärterbataillon 1 dem Ausbildungsbereich Panzertruppen zum 01.01.2015 unterstellt.

Die bevorstehenden, strukturbedingten Umgliederungen, Auflösungen, Neuaufstellungen, Verlegungen und Zustationierungen in der Kaserne Panzertruppenschule und am Standort Munster werden für viel Bewegung und zahlreiche Herausforderungen sorgen.

Mit Blick auf die Ausbildung der Panzertruppen der Bundeswehr bleibt aber eines ganz gewiss: Auch zukünftig wird der Ausbildungsbereich Panzertruppen mit seinen einzigartigen Ausbildungsmöglichkeiten für die Führerausbildung und die Unterstützung der Truppenausbildung im Raum Munster / Bergen das Mutterhaus, die „Alma Mater“ der deutschen Panzertruppen bleiben.

 

„Panzer – Hurra“ 

„Panzergrenadiere – Dran – Drauf – Drüber“!!!

 

Autoren:

-          Oberst a.D Artur Schwitalla, ehem. Kommandeur AusbZ PzTr

-          Oberstleutnant Georg Küpper, PrStOffz AusbZ MUNSTER

-          Frau Katrin Selsemeier, AusbZ MUNSTER

 

Der Ausbildungsbereich Panzertruppen 2015

Der Ausbildungsbereich Panzertruppen am Ausbildungszentrum MUNSTER fasst die truppengattungsspezifische, lehrgangsgebundene Ausbildung und Erziehung der Offiziere und Unteroffiziere der Panzer- und Panzergrenadiertruppe zusammen. Hierbei decken die I. und II. Inspektion das gesamte Spektrum vom Lehrgang für angehende Feldwebel der Reserve bis zum Lehrgang für die Bataillonskommandeure ihrer Truppengattung ab. Darüber hinaus führt das Schieß-/ Übungszentrum Panzertruppen, grundsätzlich mit den Einheiten der Panzertruppen, Gefechtsübungen im scharfen Schuss in den Operationen verbundener Kräfte, sowie in der einsatzvorbereitenden (Schieß-)Ausbildung durch.

Seit 2010 ist das Ausbildungszentrum Panzertruppen durch eine Patenschaft mit der „Canadian Armour School“ in GAGETOWN (Provinz NEW BRUNSWICK) verbunden.

Leiter des Ausbildungsbereichs Panzertruppen ist Oberst Artur Schwitalla, der gleichzeitig auch General der Panzertruppen und der stellvertretende Kommandeur des Ausbildungszentrums MUNSTER ist.  Zum Artikel –>Der Ausbildungsbereich Panzertruppen