Bericht Jubiläumsfeier Panzermuseum

40 Jahre Lehrsammlung Ausbildungszentrum Munster und 30 Jahre Deutsches Panzermuseum

Am 16. Juni 2013 feierten das Deutsche Panzermuseum und die Lehrsammlung des Ausbildungszentrums Munster (AusbZ MUNSTER) gemeinsam ihren 30. bzw. 40. Geburtstag in der Öffentlichkeit. Das Museum nutzte diesen Anlass, um seinen Besuchern zusätzlich auch 60 historische Gefechtsfahrzeuge zu präsentieren, die nicht dem Deutschen Panzermuseum gehören. Diese Ausstellungsstücke wurden durch private Sammler auf dem Museumsgelände ausgestellt. Zu den zahlreichen Attraktionen des Tagesprogramms zählten auch Exponate, die so nur sehr selten zu sehen und zu erleben sind. Das galt speziell für die Möglichkeit, mindestens 12 der historischen Panzer auch von innen besichtigen zu können.

 

Bild 01 Eingang Deutsches Panzermuseum

 

 

Wie alles begann

Seit nunmehr 30 Jahren gibt es eine gemeinsame Einrichtung der Heidestadt Stadt Munster und der Bundeswehr, die nicht nur für Soldaten hohe Anziehungskraft besitzt. Interessierte Fachleute und Lehrgangsteilnehmer aber auch zufällige Tagesbesucher und Touristen verhelfen dem Deutschen Panzermuseum Jahr für Jahr in lediglich neun Monaten Öffnungszeit zu jeweils mehr als 80.000 Besuchern. In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Museum viel Anerkennung und eine ausgezeichnete nationale und internationale Reputation erarbeitet. Es ist damit das Paradebeispiel für eine erfolgreiche zivilmilitärische Zusammenarbeit.

 

Entstehung und Entwicklung

Am 18. Juni 1973 hat das Verteidigungsministerium die „Errichtung einer Lehrsammlung für die Ausbildung des Offizier- und Unteroffiziernachwuchses der gepanzerten Kampftruppen“ an der Kampftruppenschule II/III in Munster genehmigt. Damit wurde die bereits bestehende Sammlung von Fahrzeugen, Uniformen und Ausrüstungsgegenständen legalisiert und zweckbestimmt.

Bereits in den späten 1950ern wurden den Truppenschulen in Munster von ehemaligen Angehörigen der Wehrmacht diverse Uniformen und Orden übergeben, die in einem Raum gesammelt wurden und für Soldaten zu besichtigen waren. In den 1960ern wurden der Panzertruppenschule dann von den NATO-Verbündeten auch alte Panzer geschenkt. Diese beiden Sammlungen bildeten den Nukleus der Lehrsammlung der gepanzerten Kampftruppen und der Heeresaufklärungstruppe, der dann später in das Deutsche Panzermuseum eingebracht wurde. Es wurden zusätzlich zu den alten Wehrmachtsfahrzeugen im Laufe der Zeit auch außer Dienst gestellte Fahrzeuge der Bundeswehr in die Sammlung aufgenommen. Die offizielle Genehmigung des Bundesverteidigungsministeriums im Jahr 1973 bedeutete, dass den Soldaten der Panzertruppen unter anderem die Entwicklung ihrer eigenen Truppengattung vermittelt werden konnte – ein Auftrag, der bis heute Bestand hat.

Bild 02 Sturmpanzerwagen A7V

Bild 02 Mit dem Sturmpanzerwagen A7V begann 1918 die Entwicklung der deutschen Panzerwaffe im Ersten Weltkrieg

 

Die wachsende Lehrsammlung zog zunehmend auch das öffentliche Interesse auf sich. Anfänglich war die Bundeswehr noch in der Lage, gelegentlich zivile Besucher durch die Sammlung zu führen, später wurde der Aufwand zu groß. Daher entwickelte sich die Idee, mit Unterstützung eines Fördervereines und mit Hilfe der Stadt Munster die Lehrsammlung als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Kommandeur der Panzertruppenschule und die Stadt Munster formulierten daher einen Antrag, dem das Verteidigungsministerium 1982 zugestimmte. Mit Unterstützung der Stadt Munster, dem Landkreis Soltau-Fallingbostel, Sach- und Personalleistungen verschiedener Dienststellen der Bundeswehr und Spendenmitteln des Fördervereins wurden zwei Ausstellungshallen mit einer Fläche von jeweils 500 Quadratmetern und ein Eingangsgebäude errichtet. Am 22. September 1983 wurde die Ausstellung nun als Museum eröffnet und seitdem kontinuierlich erweitert.

Bis heute ruht das Deutsche Panzermuseum auf diesen drei genannten Säulen Lehrsammlung, Stadt Munster und Förderverein. Die Lehrsammlung blieb auch nach der räumlichen Überführung der Exponate in das Deutsche Panzermuseum als organisatorische Institution erhalten und ist auch unverändert Besitzer der meisten Objekte. Diese Besitzverhältnisse ermöglichen es, die Exponate in einem möglichst betriebsfähigen Zustand zu belassen. In zivilen Museen müssen Kriegswaffen aufgrund des Kriegswaffenkontrollgesetzes demilitarisiert, also unbrauchbar gemacht werden. Die Bundeswehr hingegen darf Kriegswaffen besitzen, so dass die Vereinnahmung der Fahrzeuge und Waffen durch die Bundeswehr aus konservatorischer Sicht für das Museum ein einzigartiger Gewinn ist. Die Stadt Munster organisiert den Museumsbetrieb und die touristischen Belange, während der Förderverein, mit derzeit ca. 400 Mitgliedern, durch Mitgliedsbeiträge, Kritik und Anregungen die Fortentwicklung des Museums vorantreibt. Als vierte und unverzichtbare Gruppe sind die sogenannten „Hobbykommandanten“ zu nennen. Das sind ca. 80 ehrenamtliche Mitarbeiter, die die technische Wartung und notwendige Instandsetzung und Wartung der überwiegend historischen Fahrzeuge übernehmen.

 

Bild 03 TIGER I

Bild 03 Der Kampfwagen VI (TIGER I) steht für den Mythos höchster Feuerkraft und Panzerschutz deutscher Kampfpanzer im Zweiten Weltkrieg

 

 

Ausblick

Auch wenn das Deutsche Panzermuseum zweifelsfrei bereits ein Besuchermagnet ist, braucht selbst eine gut funktionierende Institution eine kontinuierliche Weiterentwicklung, um den erreichten Stand an Expertise zu halten und weiter zu auszubauen. Dazu müssen die neuesten Forschungsergebnisse und moderne museumspädagogische Erkenntnisse in die wechselnden Ausstellungen einfließen.

Die derzeitige Struktur der Ausstellung weist noch Lücken im Bereich der Darstellung der Einsatzgrundsätze der Truppengattungen auf.

Um diese Lücke zu schließen, soll die Ausstellung neu gegliedert werden. Dazu wurden bereits gemeinsame Überlegungen angestellt, wie eine Neuordnung der Ausstellung unter Nutzung der derzeitigen Infrastruktur aussehen könnte. Die neue Dauerausstellung soll nun in zwei Teile gegliedert werden: Einen technischen Einführungsteil in den Hallen 3 bis 5 und einen chronologischen Hauptteil in den Hallen 1 und 2.

 

Bild 04 Der T 72, der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR, symbolisiert die militärgeschichtlich bedeutsame Teilung Deutschlands und die Ost-/ Westkonfrontation

 

Im technischen Teil bekommt der Besucher eine Einführung in die Technik der Panzer und dabei insbesondere in die drei wesentlichen Faktoren, die die „Panzerei“ ausmachen: Beweglichkeit, Feuerkraft und Panzerschutz. Vervollständigt werden diese Ausführungen durch ergänzende Informationen über Faktoren wie z.B. Rohstoffe, Produktionszeit, Wartung und Logistik.

Im chronologischen Teil werden dann die Fahrzeuge in verschiedenen, zeitlich aufeinanderfolgenden „Inseln“ aufgestellt, also anders als bisher nicht mehr truppengattungsmäßig geordnet, sondern gemischt. Dies geschieht, um das Zusammenwirken auf dem Gefechtsfeld und im Einsatz, die Operationen verbundene Kräfte deutlich zu machen. Diese Inseln bilden die erste Erzählebene für den eiligen Besucher.

Bild 05 Seit den 80iger Jahren gilt der Leopard 2 als Sinnbild modernster deutscher Panzertechnik, Präzision und Zuverlässigkeit in der Welt

 

 

Der dreißigjährige Geburtstag ist also nicht nur eine Zeit des genügsamen Rückblicks, vielmehr ist es ein Ansporn, auch in Zukunft den Führernachwuchses der Bundeswehr aber auch der interessierten Öffentlichkeit zu einem historischen Gang durch die Geschichte des Panzers einzuladen.

 

 

 

Text: Oberstlt i.G. Klaus-Peter Lohmann

AusbZ MUNSTER, Ltr Grp TrFachLhr

 

Bild 01 Katrin Selsemeier

Bild 02-05: Archiv Deutsches Panzermuseum